Diese Woche sind unserer Charts auf Abriss gepolt: Techno-Bomben von Fiedel und Sev Dah, eine Granate à la Roman Flügel und hypnotische Brachialität von Dominowe kennen kein Pardon. Wer sich doch lieber in seinem Serotoninmangel suhlen möchte, ist zumindest bei Calibre gut aufgehoben.

5. Sev Dah – Pledge (Proletarijat)

Was gibt es Schöneres, als die Woche mit einer starken Techno-Platte zu starten – oder wenn es der Lifestyle erlaubt, das Wochenende ausklingen zu lassen? Deshalb macht heute der schwedische Produzent mit bosnischen Wurzeln Sev Dah den Auftakt, dessen EP Pledge auf seinem Label Proletarijat Dreierlei im Angebot hat: einen soliden Techo-Bleeper („Pledge“), eine gehörige Portion experimenteller balkan bleakness („The Universal Mother“) und einen dunklen Killer-Technotrack („Sloga“), der nach seinem Drop vormacht, wie man Kälte in Ekstase verwandelt. (Elke Schlögl)

4. Dominowe
 – Siyathakatha (Gqom Oh!)

Gqom-Tracks wandeln polyrhythmisch zwischen Break und 4/4-Kick, atmosphärisch im Nebel von Techno oder Dubstep. Dominowe ist einer der Produzenten aus Durban, die erfreulicherweise langsam auch über Südafrika hinaus wahrgenommen werden. Auf Siyathakatha zeigt er, wie vielseitig die Stilfusionen Gqom, Sghubu und Core Tribe sein können. Die Wuchtigkeit von Kernelementen wie schlürfend-hopsenden Beats, beklemmenden Synthesizerfahnen und bedrohlichen Basstönen kontrastiert der 19-Jährige mit melodischen Elementen oder baut sie mit Rave-Stabs zu beeindruckender, hypnotischer Brachialität aus. (Philipp Weichenrieder)

3. Calibre – Grow / Lost (The Nothing Special)

Ganz und gar nicht brachial, sondern soft macht Calibre alias Dominick Martin weiter. Mit seinem letzten Album Grow brach der britische Drum’n’Bass-Produzent Ende letzten Jahres auf äußerst erfreuliche Weise aus seinen heimatlichen Gefilden aus. Seine neue EP Grow / Lost erscheint wie das Album auf Craig Richards Label The Nothing Special und schließt sich der Exkursion an. Dabei ist Grow / Lost mit seinem bluesigen, UKG-infiziertem House („Grow“) und leftfield Electronica („Lost“, „Strange Are The Days“) eher etwas für Tage, die auf emotional wackeligen Beinen stehen. In die kann man sich beim Hören dieser EP, unterstützt von Martins Gesang, so richtig schön fallen lassen kann. (Elke Schlögl)

2. Roman Flügel – Black Acid EP (Phonica)

Nach seinem tollen Album All The Right Noises kommt von Roman Flügel eine EP, die ihn zur Abwechslung mal wieder als Produzent von lupenreiner DJ-Musik zeigt. Auf „Too Hot To Sleep“ wobbelt eine Bassline wie nichts Gutes, der Track ist ganz ohne Zweifel eine Granate. Verspult und bleepig geht es auf „Troubled Mind“ zu. Noch verspulter zeigt sich der Titeltrack „Black Acid“ mit seinen verschobenen Breakbeat-Splittern. Das technoid-deepe „Work & TV“ rundet diese hervorragende EP ab. (Holger Klein)

1. Fiedel – Substance B (Ostgut Ton)

Mit Substance B macht das Berliner Techno-Urgestein Fiedel sein Solo-Debut auf Ostgut Ton. Warum erst jetzt, möchte man fragen – schließlich ist Fiedel schon seit 2000 als Resident und Produzent Teil der Ostgut/Berghain-Familie. Das Warten hat sich allerdings gelohnt, Substance B zählt nämlich zu den Platten, die so richtig die Hütte auseinandernehmen. Der Titeltrack ist der mitreißendste der EP: eine dreckige Rave-Bombe, bei der Acid- und Bassline für Aufregung sorgen. „Track 432“, der zweite im Bunde, hat es ebenfalls in sich. Während ein schräger Synthie verwirrt rumblöckt, geht „Track 432“ den perkussiven Abriss an. Anschließend startet „S-Drive“mit raumnehmender Kick und Snare, zu der sich zischelnde Hi-Hats und eine anschwellende Acid-Bassline-Kombo gesellen. (Elke Schlögl)