Der Schwede Peder Mannerfelt weiß, was er tut. Er remixte zwar Pop-Acts wie Lykke Li und Massive Attack, ist aber auch Sammler historischer, kontinentalafrikanischer Musik. Auf dem experimentellen Label von Peter Van Hoesen veröffentlicht er nun seine Interpretation von Musik, die unter Kolonialherrschaft in Belgisch-Kongo gesammelt wurde. Das Ergebnis sind obskure Kompositionsminiaturen, die uns verspielt um die Ohren plockern. Eine für den europäischen Club ungewöhnliche Rhythmik, an der sich bisher höchstens Ricardo Villalobos probiert hat. Die Congo Drums führen dabei nicht zu Trommeltracks, sondern dienen als Muster für quirlige Arrangements und eine Exkursion durch die elektronische Musik: von Musique Concrète über analoge Klangsynthese zu Acid. Getrübt wird das Ganze nur durch die vom Label behauptete Kritik an der Kolonialgeschichte. Weil Mannerfelt nicht einfach nur sample, sondern interpretiere, entbinde es ihn automatisch von kolonialer Aneignung. Nun, die europäische Praxis des Sammelns und Archivierens ist Bedingung und Fortsetzung kolonialer Macht. Kritisch betrachtet werden muss der Kontext: ein weißer, hochgebildeter, europäischer Mann, der bei Auftritten eine Maske trägt und auf einem angesagten belgischen Label ein Album mit diesem Titel herausbringt.

 


Stream: Peder Mannerfelt The Swedish Congo Record