Das CTM Festival in Berlin, ursprünglich unter dem vollen Namen „Club Transmediale“ als Ergänzung des gleichzeitig stattfindenden Medienkunst-Festival Transmediale entstanden, feiert in diesem Jahr seinen 15. Geburtstag. Das Motto der Jubiläumsausgabe Ende Januar und Anfang Februar lautet Dis Continuity, womit in etwa das „Unterbrechen der zielgerichteten Geraden“ gemeint ist. Zu den jüngsten Musikproduktionen, die zu diesem Thema passen, gehört etwa James Holdens Album The Inheritors. Der Border Community-Macher setzt damit ein Œuvre gehirnfrittierender Klänge fort, unterlegt gleichzeitig die fein verästelnden Spuren mit einer neuen Wucht und gibt ihnen mehr Körper, mehr Schwere, mehr Widerhall. Deshalb könnte es auch kaum eine geeignetere Figur geben als Holden, um sich an die Spree zu begeben, ein Live-Set zu spielen, Dis-Continuity-Miles zu sammeln.

Insgesamt geht es laut Festival darum, „die oft unsichtbaren Verbindungslinien zwischen vergangenen Experimenten und der Musikpraxis der Gegenwart“ zu beleuchten. Das passiert in der vom CTM bereits bekannten Aufstellung in Musik, Ausstellung und Diskurs. Die Clubnächte ereignen sich im HAU, Berghain und Stattbad. Mark Ernestus präsentiert die Ndagga-Gruppe Jeri-Jeri aus Dakar, Jan St. Werner von Mouse On Mars hingegen sein neues Projekt Black Manual, mit dem er Candomblé-Trommeln überschreibt. Das legendäre Dubtechno-Projekt Porter Ricks feiert seine Wiederauferstehung und Robert Henke (Monolake) führt sein neues audiovisuelles Projekt Lumière auf. Außerdem kommen im Rahmen des CTM 14 vier Auftragsarbeiten zu ihrer Uraufführung. Der serbische Künstler Lukatoyboy etwa schickte sogenannte Klangscouts durch die Stadt, ausgerüstet mit Walkie Talkies als Klangquellen. Der Zusammenschluss von Künstlern, Radio-Nerds und Hackern Π-Node veranstaltet derweil ein Radio Lab mit dem Ziel, einen neuartigen Radio-Internet-Hybriden zu entwickeln. Außerdem versucht sich der Komponist Owen Roberts an einer Neuinterpretation von Edgar Varèses Hyperprism aus dem Jahr 1922/23. Und das Duo Kathy Alberici und Martha Jurksaitis produzierte ein Film- und Ton-Porträt des Funkhauses Nalepastraße in Berlin.

Tagsüber trifft man sich im Kunstraum Bethanien. Dort zeigt eine Ausstellung frühe Klangmaschinen. Zusammengestellt wurde Generation Z: ReNoise von erfahrener Hand. Leitete Kurator Andrey Smirnov doch in vergangenen Jahren das Theremin Center für elektroakustische Musik am Staatlichen Konservatorium in Moskau. Im Bethanien passiert auch das Tagesprogramm des CTM mit seinen Diskussionen, Theoriebeiträgen, und Präsentationen. Wie in jedem Jahr also bedeutet CTM 14 wieder: Entscheidungsüberlastung für Sinn und Sinnlichkeit.

 


Video: CTM Festival 2014Trailer

 


Video: Robert HenkeLumière (Video: 6sept13)

 

CTM 2014 FlyerGroove präsentiert: CTM 2014

24. Januar bis 2. Februar 2014

Actress
Bee Mask
Dasha Rush
Helena Hauff
Robert Henke
James Holden
Eli Keszler
Moritz von Oswald Trio (mit Tony Allen und Max Loderbauer)
Porter Ricks
Fatima al Qadiri
Recondite
Mika Vainio & Charlemagne Palestine
Veronica Vasicka
u.v.a.

verschiedene Orte
Berlin