Alter Käse, darauf versteht man sich in den Niederlanden. Das Verkosten von <i>overjarigen</i> Spezialitäten wird auch von holländischen Labels offensichtlich gerade besonders groß geschrieben. Schließlich gewinnt, was ein vernünftiger Gouda sein will, mit der Zeit nur an Würze und Schärfe. Eine Auswahl von Unit-Moebius-Werken macht da keine Ausnahme – und etwas käsige Metaphern sind wohl erlaubt, wenn es um den absurden schwarzen Humor der Techno-Keimzelle im Den Haag der neunziger Jahre geht. Finstere Kellergewölbe, Schweiß, der den Schimmel vom Gemäuer wäscht, flackernde Strobos, fiese Trips. Mittendrin: Unit Moebius. Was damals in Livejams und auf Lofi-Setups zwischen Acpop, Electro und Techno zusammengeschustert wurde, besteht den Alterungstest ohne Probleme. Die <i>Golden Years</i>-Compilation legt ihren Fokus dabei auf die weniger harsche Seite von Unit Moebius. Mit zeitlichem Abstand (oder zumindest ohne Keller und Strobo) wirken diese Tracks von Mitte der Neunziger, die hauptsächlich von Jan Duivenvoorden, teilweise mit Unterstützung von Guy Tavares produziert wurden und zum Großteil ursprünglich bei Bunker Records erschienen, geradezu zivilisiert. Sie sind immer <i>jacking</i> und <i>groovy</i>, eher Chicago als Industrial oder EBM. Im Vergleich zu heutigen Standards manchmal etwas dünn, zischen die Stücke mit ihrem speziellen Sound doch wunderbar ins Oberstübchen. Und in die Magengrube.

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