Wer unkartierten Boden betritt, muss umso entschiedener vorgehen. Es muss klar sein, was man selbst erwartet. Das gilt für hochriskante Aktiengeschäfte ebenso wie fürs Imaginieren. Kunst machen bedeutet schließlich Spekulieren. Speculation ist denn auch ein wunderbarer Begriffsdummy für To Rococo Rot, ein Mantel, der Disparates zu umhüllen vermag. So überrascht das Trio mit dem Four-to-the-floor-Stück „Working Against Time“, auf dem eine mächtige Bassgitarre das Geschehen vorantreibt. Überhaupt der Bass. Von einem Klangbild, das sich aus geometrischen Mustern zusammensetzt, haben sich Stefan Schnepoper und die Brüder Robert und Ronald Lippok verabschiedet. Nichts scheint hier quantisiert oder geglättet. Hinzu kommt der Umstand, dass Hans Joachim Irmler von der Experimentalrock-Gruppe Faust seinem Synthesizer mitunter Waldschrat-Sounds entlockt. Speculation wurde in Irmlers Studio im oberschwäbischen Land eingespielt. Die Zurückgeworfenheit auf das Musikmachen hat ganz offensichtlich die Freude am Zusammenspiel katalysiert. Die körperliche Stärke des Groovemonsters „Away“, das elegante Tänzeln von „Horses“ – und dazu „Forwardness“: ein Riesenhit aus Trancesynthesizern, perkussiver Polyrhythmik und, immer wieder, immer wieder, immer wieder dieser Bass! To Rococo Rot waren eine Weile weg, ihre letzte Großveröffentlichung liegt sechs Jahre zurück. Speculation markiert ein gelungenes Update.

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