Auf Laboratory Instinct, dem Berlin-Tokio-Label, das konsequent spannende Electronica-Veröffentlichungen raushaut, gibt es gleich zwei neue Alben aus dem georgischen Goslab-Umfeld. Und dazu auch noch Presseinfos von Philip Sherburne, die – für Waschzettel eher unüblich – so wahr wie schön sind und es schwer machen, dem Gesagten noch viel hinzuzufügen. Nach einigen Veröffentlichungen unter seinem Erast-Pseudonym erinnert sich Nikakoi auf Selected nun wieder an seine Alben Sestrichka und Sentimental von 2002/2003 und arrangiert nicht nur deren Tracks, sondern gleich auch deren einzelne Sequenzen um. Auf den zwei CDs finden sich neben vielen alten Bekannten aber auch zehn neue Tracks, die sich alle der von Nikakoi gewohnten, charmant verschrobenen Mischung aus schwelgerischer Electronica, kleinen Minpopramen und gelegentlicher Beatakrobatik wpopmen. Das ist meist angenehm naiv in den Sounds, wie zum Beispiel die zuckersüße Pizzicatoromantik von „Child+“, gern auch in klassischen Ambientgefilden unterwegs („Minimisss 3“, „Music2 – Piano+“), aber hat durchaus auch mal drillige Beats im Gepäck („Shunat“, „Krasnagorsky Dream“), was in der Mischung am ehesten an Plapop erinnert und dabei immer eine sehr liebenswerte Schrulligkeit ausstrahlt.
Ähnlich eigen geht es bei Natalie Tusia Berpopze zu, die mit Pending ein sehr vielseitiges und hochgradig charmantes Electronica-Album veröffentlicht. Ganz im Stile klassischer Mittneunziger-Electronica kombiniert sie hier auf wunderbar konsistente und zugleich spannende Weise HipHop, Ambient und Breakbeats, wirft alles in einen großen Topf und schafft es, dem Ganzen eine höchsteigene Note abzugewinnen. Die Bandbreite reicht von wunderschönen, akkordgetragenenen Synthiedramen wie „Come To Kiss Me“, über swingenden Pizzicatofunk („Fallin Suga“), der nach Masha Qurella auf Gin Tonic klingt, bis zu rockenden Funkstörung-Derivaten („Cuts vs Ignorance“) und wird von einer warmen Emotionalität zusammengehalten. Zwei wirklich schöne Alben, die auf wunderbar naive und zugleich zeitlose Weise Popappeal mit Experimentierfreude verbinden.

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