Vocal-House ist ja so eine Sache. Jedenfalls kann da immer eine Menge falsch gemacht werden. Zum Glück weiß man bei Prosumer und Murat Tepeli schon, dass man sich auf qualitativ hochwertige Kost einstellen kann. Noch dazu, wenn es sich um das erste Künstleralbum auf Ostgut Ton handelt. Runter gestrippte, angenehm dreckig gehaltene House-Grooves pluckern hier durch eine perfekt auf den Punkt treffende, in ihrer organischen Reduziertheit mitunter fast perlonesk anmutende Chicago-Deepness. Und dann diese Vocals, die nicht eine Sekunde Gefahr laufen, auch nur im Entferntesten cheesy zu wirken. Im Gegenteil. Da steckt einfach immer jede Menge Soul drin, vor allem wenn in Kombination mit Gastsängerin Elif Biçer die Tür zu einer noch fragileren Emotionalität geöffnet wird. Sehr klassisch auch, dieses House-Verständnis. Dass das Ganze so unglaublich knackig um die Ecke federt, macht letztlich aber doch dieses gewisse zurückgenommene Haltung, gerade dann, wenn es am Schönsten ist, nicht noch einen draufzulegen, sondern voll und ganz dem eigenen Groove zu vertrauen. Berlin-Understatement, wollte ich fast sagen, mache dann aber doch lieber die Achse Berlin-Detroit auf, die ja derzeit mal wieder ziemlich angesagt ist und in diesem Fall wohl auch wieder zutrifft. Die Achse des Guten also sorgt hier für ein Spannungsverhältnis, dass die Dramaturgie der Platte durchweg bestimmt und in der wortlosen dunklen Landung ein unerwartet verspultes Ende findet. Da tut einem jeder Track der CD, der nicht auch auf der Vinyl-Version landen kann, im Herzen weh. Ganz große Scheibe.