Carl Hang (Deck 2 Deck) – GROOVE Resident Podcast 73

Eine Erstverwurzelung im Hip-Hop, die Liebe zu Vinyl und die Faszination für Turntablism – der Berliner DJ und Producer Carl Hang teilt diese Eigenschaften mit Deck 2 Deck, dem Label mit angeschlossener Partyreihe, das in Berlin einen eigenen Breakbeat-Sound definiert hat. Über die Facebook-Suchanfrage „Open Vinyl Berlin” zueinandergefunden, bilden Carl Hang und Deck 2 Deck seit inzwischen sieben Jahren eine Symbiose. Warum er für seinen GROOVE Resident Podcast eher auf House-Tracks zwischen 128 und 133 BPM denn auf Ghetto-Tech-Hits zurückgreift und was den Reiz an improvisierten Back-to-Back-Sets ausmacht, verrät Carl Hang im Interview.

GROOVE: Die label-eigene STUDIO 69 Tour ist im Mai zu Ende gegangen. Du hast auch an einigen Terminen gespielt, wie ist dein Fazit, bist du zufrieden?

Carl Hang: Auf jeden Fall. Die Show im Elipamanoke in Leipzig war super gut besucht. Wir hatten dort auch einige lokale Acts wie DJ Luiser, das zieht meistens nochmal zusätzlich Publikum an. Auch der Tourabschluss in Dresden im Hebedas war ein voller Erfolg. Das ist eine Tanzbar. Dort ist ohnehin meist schon etwas los, und sobald die Musik startet, kommt die Party schnell in Gang.

Nimmst du einen Unterschied zwischen den Partys in Berlin und den Tour-Partys wahr?

Wir haben beobachtet, dass die Shows in München, Hannover und Leipzig inzwischen fast besser laufen. Ich habe das Gefühl, dass die Leute dort gewissermaßen hungriger sind, vielleicht auch deshalb, weil in diesen Städten nicht so viele unterschiedliche musikalische Angebote vorhanden sind. In Berlin hat sich inzwischen wahrscheinlich ein gewisser Sättigungseffekt in Bezug auf Ghetto-Tech eingestellt. Dadurch ist es schwieriger geworden, denselben Hype und dieselbe Aufmerksamkeit wie zu Beginn aufrechtzuerhalten.

Um zu Deck 2 Deck zu kommen – wie würdest du den Sound des Labels beschreiben?

Ich finde, bei meinen Back-to-Back-Sets mit WALL RA, der Teil des Labels ist, vermitteln wir den Deck-2-Deck-Sound ganz gut. Unsere Sets sind ziemlich unvorhersehbar. Selbst wir wissen manchmal nicht genau, was der andere als Nächstes spielen wird. Das liegt auch daran, dass wir beide unglaublich viel diggen und stark aus einem Hip-Hop- und Funk-Hintergrund kommen. Dadurch bauen wir immer wieder Songs aus den unterschiedlichsten Epochen in unsere Sets ein. Flo spielt vielleicht eine Disco-Nummer aus den Siebzigern, und ich lege danach einen Neunziger-House-Track auf. Anschließend kommt vielleicht wieder etwas von Egyptian Lover, dann geht es in Richtung Electro. Ich glaube, genau das mögen die Leute, und das liebe ich an den Sets. Man weiß nie so richtig, was einen erwartet, kann sich aber sicher sein, dass es immer Spaß macht. Das steht für uns klar im Vordergrund.

Du hast gerade schon von WALL RA gesprochen, wer ist sonst noch Teil von Deck 2 Deck?

DJ Business und WALL RA managen das Label zu zweit. Ich habe mein Album Flying Crossfader über Deck 2 Deck veröffentlicht. Ich war früher auch noch am organisatorischen Part beteiligt, inzwischen aber nicht mehr wirklich.

Wann und wie bist du dazugestoßen?

2019. Es fing alles mit Hip-Hop an, 90 BPM. Ich wollte damals eigentlich nur Biggie, Tupac und solche Sachen hören und zocken. Mein Mitbewohner in meiner ersten WG hatte sich Technics und einen Mixer gekauft und Scratch-Vinyl und Drum-Breaks auf Platte. Ich habe ihm oft dabei zugeschaut und fand das extrem nice. Dann habe ich auf mein eigenes Setup hingespart. Das benutze ich heute übrigens immer noch. (lacht) Der Ansporn war, so wie DJ Qbert, ein richtiger Scratch-, Turntablism-, Hip-Hop-DJ, zu werden. Wir haben bei Facebook einfach „Open Vinyl Berlin” eingegeben. Dadurch sind wir auf das Deck-2-Deck-Event in der Panke gestoßen.

Das Ganze war ein Open-Vinyl-Format. Man konnte hingehen, Scheiben mitbringen, sich auf die Liste setzen und eine Stunde spielen. Ich bin also jeden Donnerstag mit meinen Platten hingegangen. Irgendwann wurden aus Hip-Hop- eher Funk-Platten, und der Sound hat sich immer weiterentwickelt. Die Ursuppe ist aber Hip-Hop.

Was macht für dich den Reiz an Vinyl aus, und wo liegt vielleicht der Unterschied zum digitalen DJing?

Ich kaufe aktuell wieder extrem viel Vinyl, mehr als vor ein oder zwei Jahren. Ich mag es einfach nicht, auf dem Dancefloor die ganze Zeit auf den Bildschirm zu starren. Außerdem ist das Zocken mit Platten für mich intuitiver und fühlt sich nicht so planbar an wie digital. Ich habe meinen Recordbag dabei und muss daraus etwas machen. Dadurch kann ich mich kreativ besser entfalten.

Dein Haupteinfluss war früher hauptsächlich Hip-Hop, wie würdest du deinen aktuellen Sound beschreiben?

Meine letzte Platte war die Baby-GScheibe. Dabei war mein Anspruch, Electro mit einem EDM-Approach zu machen. Ich habe zu der Zeit viel Skrillex gehört und hatte einfach Bock, diese knackigen Serum-Sounds zu nutzen, die sehr präsent, komplett digital und richtig in your face sind. Das war cool, aber ich glaube, die nächsten Releases werden einen ruhigen Sound haben.

Wie wird die nächste Platte aussehen?

Meine Musik wird gerade viel langsamer. Ich habe eine Platte, die fast fertig ist, so zwischen 128 und 133 BPM. Der Breakbeat-Sound ist zwar weiterhin vertreten, aber weniger im Sinne von Drum-Machines, sondern eher so wie früher im Hip-Hop: gesampelte Drums, alles insgesamt grooviger und etwas runtergefahren. Weg vom schnelllebigen Sound der letzten Jahre. Ich habe teilweise Songs produziert, die nur zweieinhalb bis drei Minuten lang waren, weil sich der Track schnell auserzählt hatte. Jetzt bin ich wieder an dem Punkt, Musik, die stärker für DJs gedacht ist, machen zu wollen – mit einem klaren Fokus auf den Groove. Weniger Drops, weniger Vocal-Schnipsel.

Gibt es musikalisch trotzdem einen roten Faden bei dir?

Auf jeden Fall! Der Hip-Hop-Einfluss wird nie aus meinem Sound verschwinden. Ich werde auch nie aufhören, Samples zu benutzen, oder vielleicht auch mal hier ein Yo oder einen Scratch einzubauen. (lacht) Aber wie schon gesagt: Ich merke, dass ich mich zunehmend von diesem digitalen Party-Sound entferne. Stattdessen geht es für mich gerade mehr in Richtung Musik, zu der man länger und tiefer tanzen kann.

Wie sieht der Sound für den GROOVE-Residency-Podcast aus?

Ich habe einen Vinyl-only-Mix aufgenommen. Ich bin ja Fan von House-Sound zwischen 128 und 133 BPM, mit Frankfurt-Minimal-Influence. Das ist der Sound, der auch den Podcast beeinflusst.

Ich habe dafür viele House-Platten aus den Jahren 2000 bis 2005 gediggt, ein paar neuere Sachen sind auch dabei. Für den Mix wollte ich versuchen, qualitativ guten Sound zu liefern, den man nicht jeden Tag hört. Der Fokus geht dabei wieder stärker auf Sound und Groove. Weniger Sampling, dafür mehr Sounddesign und ein tieferes Eintauchen in Klangsynthese. Für den Groove-Mix bedeutet das konkret: House, Vinyl-only, vor allem 2000 bis 2005, mit ein paar neueren Scheiben dazwischen.

Track list:

Que Sakamoto + NT feat. Hoodoo Fushimi – Kotobuki
Natebytheway – abelsoldmehisdx7
Kolter – Techno Life
Salomo & Reece Walker – Locked In
Jack D – Dub Traveller
stbr & Davy – Reservoir
Mehlor – Bija
Salomo & Reece Walker – Our Data (Incognito Mix)
Latent – Groove Rhythm Machine
Make A Dance – No Way Out
Buzzin‘ Cuzzins feat. Vocals by R Sigler – good feeling (Tronic Vox Mix)
Klix & Lil Roy – Enjoy The Party
Jack D – Regional Groove
Adam & Rossa – F Pace
Ilkay Yeler – Paradise Bells
Robert James – Talk to me
Salomo & Reece Walker – At First Sight

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