Die Alternative zur Alternative? Zusammen mit Travaspango veranstaltet DJ Killing die queere Partyreihe Royal Highness – auch weil die „Starrheit anderer Schwulenpartys” die beiden ermüdete. Nun ermöglichen sie, meist im Fitzroy, einen temporären Ort, der herausfordert, Raum für Inszenierung und Fantasie bietet und den Spagat aus Rohheit und Eleganz meistert. Wie das alles klingt, hört ihr in der 66. Ausgabe des Resident Podcast.
GROOVE: Wie würdest du den Sound der Royal Highness beschreiben? Was macht die Party besonders?
DJ Killing: Ich würde den Sound als eklektisch beschreiben. Ich selbst und Onur, mit dem ich die Party mache, sind schnell gelangweilt, auch von uns selbst und gegenseitig, wenn wir auflegen. Wir lieben aber Tribal-Drums und viele Vocals in jeder Form. Wir versuchen daher immer DJs zu buchen, die mehrere Genres in einem Set spielen. Auf unserer letzten Party, für die wir keinen Eintritt verlangt haben, haben wir unsere Freunde auflegen lassen und den DJ jede Stunde gewechselt. Das war sehr erfrischend – jede Stunde, wenn ich den Club wieder betrat, lief neue Musik.
Was für eine Crowd zieht die Royal Highness an?
Wir waren genervt von der Starrheit der Schwulenpartys und sind die Alternative zur Alternative geworden. Wir haben Goths, Punker, Gays, viele Lesben und Dolls, vor allem tanzende Leute. Jung und Alt mischen sich sehr gut. Eigentlich ist alles dabei. Es ist manchmal ein bisschen wie bei den Soli-Partys im Osten vor zehn Jahren, wo sich alle Leute, die hardcore waren, ganz gut auf einem Dancefloor gemischt haben.
Wie ist die Party entstanden? Wie sind du und Onur darauf gekommen, sie zu veranstalten?
Ich bin früher immer gern zur Cocktail d’Amore gegangen, weil sie tagelang lief, die Musik mich herausgefordert hat, es kein Ende gab und viel Raum für Fantasie und Inszenierung vorhanden war. Doch irgendwann wurden queere Partys und andere gute Veranstaltungen immer seltener. Onur und ich hatten aber weiterhin Lust auszugehen – also gingen wir drei Mal pro Woche ins Ficken 3000. Irgendwann hatten wir die bessere Pre-Party, die bessere After-Party und die bessere Musik. Dann verlegten wir das Ganze an einem Samstag tagsüber ins Fitzroy, weil wir einen Ort zur Überbrückung zwischen Freitag und Samstag suchten. Selbst unsere Afterpartys langweilten uns, aber wir liebten den Vibe, den wir dort kreierten.
Die Royal Highness findet meist im Fitzroy statt. Was verbindet ihr mit dem Club?
Vor der Royal Highness war ich nie wirklich dort. Das Fitzroy hat Fenster, die wir als sehr wichtig empfinden. Es gibt orangefarbene Jalousien, und man kann auf die Spree blicken. Der Außenbereich liegt zwischen einem sehr großen Bürogebäude der BVG und den Bahngleisen. Das hat ein downtown feeling. Man hört die Bahn alle fünf Minuten und steht vor einer Art Hochhaus. Im Fitzroy arbeiten nun auch viele Freunde – also ist es wie Familie.
Die Partys starten um 15 Uhr und gehen bis 3 Uhr nachts. Warum?
Tagespartys sind meine liebsten. Nachts bin ich oft verwirrt und weiß nie so richtig, was ich mit mir anfangen soll – deshalb war der Tagesaspekt für mich wichtig. Aber for the girls haben wir trotzdem in die Nacht hinein verlängert. Wir wollten Himmel und Hölle – diese Dualität ist mir sehr wichtig. Best of both worlds.
Royal Highness ist auch eine Cannabissorte. Das High sei angenehm klar und aktivierend, eine körperliche Auswirkung nur dezent vorhanden, heißt es. Warum spricht dieses High zu dir?
Ich rauche so selten Gras, also wirkt es jedes Mal anders. Genau so ist das High jeder Party ein anderes. Bei uns ist die Dialektik zwischen Rawness und Eleganz wichtig.
Wie hat die Party dich als DJ inspiriert und geprägt? Ist DJ Killing durch und durch Royal Highness, oder gibt es noch einen anderen Sound, den du andernorts verfolgst?
Die Party hat meinen Sound definitiv verändert – vielleicht sogar verschlechtert. Seitdem ich mich für alle Musikrichtungen geöffnet habe, spiele ich alles und kann jenseits der Schubladen von Gut und Böse und Genres spielen. Ich versuche mich herauszufordern, und das kann auch herausfordernd klingen. Durch den Druck, auf meinen Partys aufzulegen, bin ich gleichzeitig perfektionistischer geworden. Außerdem liebe ich es, in neue Rollen zu schlüpfen oder Cosplay zu machen, genau wie ich es bei der Wahl meiner Kleidung tue.
In meinem Sound höre ich oft das Trauern, aber das hängt auch von der Energie der Tanzfläche ab. In letzter Zeit spiele ich gerne schneller als sonst, also 150 BPM. Ich spiele aber auch mit Onur in einem Projekt namens Scarlet Fantastic ausschließlich 112 BPM, also viel langsamer. Experiment und Erweiterung stehen nun noch mehr im Vordergrund.
Tracklist:
Ghetto Jerkins – Strange Creatures
House Jacker – The Creator (Pharris Mitchell Dub)
ACL – Penetrate My Body (Stephanie Greppi Metropole Mix)
Mathias Kaden – Distant Horizon
Cromby – Schlamm
Natalie Smash – New Start (Loose Control Band Live In SF)
Trus’me – Somebody
Hodge – Beneath Two Moons
Loco Dice – Pimp Jackson Is Talkin‘ Now!
Luke Vibert – Jack
Henzo – Having It Large (Gurning Up Inside)
Nation – DayDay