Kappa-Futur-Gründer Maurizio „Juni” Vitale: „Am Ende entscheidet die Liebe zum Detail, der Innovationsdrang und unsere tiefe Verbindung zur lokalen Community”

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Mit dem Kappa Futur gehen Maurizio „Juni” Vitale und Gigi Mazzoleni seit 13 Jahren einen gemeinsamen Weg. Vitale trägt die kaufmännische und administrative Verantwortung für das Festival, das eines der größten und ambitioniertesten seiner Art in Europa ist, Mazzoleni ist für die Inhalte zuständig.

Deshalb hat Mazzoleni die ersten Fragen unseres Email-Interviews zum Booking beantwortet, Vitale übernimmt am Ende und äußert sich zur allgemeinen Positionierung und zur Zukunft des Kappa Futur, das im November 2026 zum ersten Mal in Mexiko stattfindet.

GROOVE: Was ist die zentrale Idee hinter dem Kappa Futur 2026? Und worin unterscheidet sich die diesjährige Ausgabe von früheren Editionen?

Gigi Mazzoleni: Jede Ausgabe des Kappa Futur soll eine neue Erfahrung sein. Es gibt einige Künstler, die wir immer wieder gerne einladen, weil sie inzwischen Teil der Festivalidentität sind. Aber rund 80 Prozent des Line-ups verändern sich jedes Jahr. Für 2026 haben wir außerdem zwei unserer Mainstages neu gestaltet und mit der Taverna eine völlig neue, futuristische Experience geschaffen, die dem Festival über die Musik hinaus eine weitere Dimension gibt.

Soweit ich sehe, feiern in diesem Jahr unter anderem Sammy Virji, Jazzy, Chris Lake, Interplanetary Criminal, Djrum, KI/KI, NOVAH, Vieze Asbak, Max Cooper und Confidence Man ihr Debüt. Was reizt euch an diesen Künstler:innen? Warum sind sie gerade jetzt wichtig? Und ganz grundsätzlich: Wie geht ihr beim Booking des Festivals vor?

Wir haben vor 13 Jahren mit nur einer Stage angefangen, heute sind es sieben. Jede neue Stage, die wir hinzugefügt haben, sollte möglichst viele unterschiedliche Spielarten elektronischer Musik abbilden. Unsere Booking-Philosophie besteht darin, aufregende neue Talente mit legendären Acts zusammenzubringen, die für die Wurzeln und die Entwicklung der elektronischen Musik stehen. So entsteht ein Line-up, das sowohl die Herkunft der Szene als auch ihre Zukunft feiert.

Wie ist euer Austausch mit den Künstler:innen, die beim Festival auftreten? Begrüßt du einige von ihnen noch persönlich? Oder ist das angesichts der Größe des Festivals, des Arbeitsaufwands und der engen Reisepläne der Künstler schwieriger geworden?

Ein wichtiger Teil meiner Aufgabe während des Festivals besteht darin, jeden Künstler willkommen zu heißen und dafür zu sorgen, dass er sich bei uns zuhause fühlt. Über das Booking hinaus versuche ich immer, echte Beziehungen aufzubauen – besonders zu den Acts, die neu zum Festival kommen. Seit mehr als 30 Jahren verfolge ich DJs auf der ganzen Welt. Viele von ihnen sind über die Jahre enge Freund geworden.

Die Ruinen des historischen Fiat-Stahlwerks gehören zum Markenzeichen des KappaFutur (Foto: Kappa Futur)

Wie hat sich die elektronische Musiklandschaft in den vergangenen Jahren stilistisch und kulturell verändert? Wie hat Kappa Futur auf diese Veränderungen reagiert? Und wie haben sich die Erwartungen und Bedürfnisse des Publikums entwickelt?

Man muss immer im Blick behalten, welche Genres entstehen und wie sich der Geschmack jüngerer Generationen verändert. Seit der Pandemie ist Hardtechno zu einer der treibenden Kräfte elektronischer Musik geworden. Deshalb haben wir die Solar Stage diesem Sound gewidmet. Gleichzeitig gibt es bestimmte Säulen der elektronischen Musik, die wir immer feiern wollen. Legenden wie Sven Väth, Carl Craig, DJ Rush oder Lil‘ Louis werden beim Kappa FuturFestival immer ihren Platz haben. Mehrere Stages geben uns die Möglichkeit, Innovation und Tradition gleichzeitig abzubilden.

Es gibt die verbreitete Wahrnehmung, dass die post-pandemische Generation weniger ausgeht, seltener Festivals und Clubs besucht und weniger intensiv feiert als frühere Generationen. Erlebt ihr das auch? Und falls ja: Wie reagiert ihr darauf?

Ich bin nicht ganz überzeugt, dass das wirklich so ist. Wenn überhaupt, dann haben Clubs stärker unter diesem Generationenwechsel gelitten. Das ist schade, denn die elektronische Musikszene der frühen Neunziger ist zunächst in Clubs entstanden, bevor Festivals eine so große Rolle spielten. Aus unserer Perspektive haben wir nach der Wiedereröffnung 2022 einen deutlichen Anstieg an internationalen Gästen erlebt. Festivals sind für jüngere Generationen zu einem wichtigen Bezugspunkt geworden, weil sie – anders als ein Clubabend mit meist einem großen Headliner – an einem einzigen Wochenende mehr als 130 Künstler präsentieren können. Die eigentliche Herausforderung besteht heute darin, etwas zu bieten, das die Menschen anderswo nicht finden. Neben unserer spektakulären Location investieren wir deshalb kontinuierlich in besseres Stagedesign, bessere Services und in Performances, die außergewöhnlich und einzigartig sind.

Kappa-Futur-Booker Gigi Mazzoleni und Gründer Maurizio „Juni” Vitale in den Zehnerjahren (Foto: KappaFutur)

Das Kappa Futur gilt oft als wegweisend, weil das Festival Brand-Building, Tourismus, Rave-Kultur und ein Bewusstsein für das kulturelle Erbe Italiens und speziell Turins miteinander verbindet. Als das Festival gegründet wurde, verkörperte es die Idee einer neuen wirtschaftlichen Zukunft, die durch Kultur und Kreativität geprägt ist. Wie setzt ihr diesen Pioniergeist heute um?

Maurizio „Juni” Vitale: Heute bedeutet dieser Pioniergeist für mich vor allem Neugier, Interesse an Recherche und Experimentierfreude. Er prägt weiterhin alle unsere Prozesse und unsere gesamte Produktion – und ich hoffe, dass er uns nie verlässt. Innovation ist der Kern unserer internen Arbeit, unser eigentliches Research & Development. Alles, was wir tun, ist nach vorne gerichtet. Denn nur durch kontinuierliches Experimentieren kann man wirklich wachsen.

Du hast einmal gesagt, es sei wichtig, ein bisschen mehr Unternehmer und ein bisschen weniger Eventveranstalter zu sein. Mit Kappa Futur habt ihr in dieser Hinsicht bereits viel erreicht. Welche Ambitionen hast du für die kommenden Jahre – für Kappa Futur, für Italien und vielleicht sogar für Europa?

Unser Ziel ist es, Kappa Futur als unser globales Flaggschiff zu etablieren: fest in Turin verwurzelt, aber mit dem Anspruch, Italien und Europa auf der Weltbühne zu repräsentieren. Die große Vision für die Zukunft ist, eine KFF-Ausgabe auf jeden Kontinent zu bringen.

Eine letzte Frage: In einem früheren Interview hast du gesagt: „Wir müssen unsere Arbeitsweise verbessern, wir müssen geprüfte Jahresabschlüsse vorlegen, um unsere Reputation zu stärken und besseren Zugang zu Liquidität über das Bankensystem zu erhalten.” Seit der Pandemie sind Investmentfonds und große Konzerne wie Live Nation immer stärker in den Live-Event-Sektor eingestiegen. Wie bewertest du diese Entwicklung? Ist sie eine Chance, eine Herausforderung – oder beides? Und wie beeinflusst sie deine Arbeit mit Kappa Futur und deinen anderen Aktivitäten?

Das ist eine große Chance, weil sie den Bereich elektronischer Musikfestivals und kultureller Unterhaltung industrialisiert und zu einem reiferen, strukturierteren Sektor macht. Entscheidend ist aber, nie aus dem Blick zu verlieren, was uns besonders macht: die Liebe zum Detail, der permanente Drang zur Innovation und unsere tiefe Verbindung zur lokalen Community.

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