burger
burger

Redux Rangers (AMP) – Groove Resident Podcast 53

„Im Münsterland war es immer härter als anderswo”, äußerte O.B.I. Ende des vergangenen Jahres im GROOVE-Studiobericht. Ob da was dran ist, darüber können Sven Krützmann und snoritz Auskunft geben: Schon lange in der Münsteraner Szene aktiv, bilden sie zusammen das Duo Redux Rangers, sind beide auf ihre Weise mit dem Münsteraner Vorzeige-Club AMP verbandelt und haben für diese Ausgabe des Groove Resident Podcasts eine kraftstrotzende Stunde voller Eigenproduktionen zusammengefädelt.

Wie beide zu Residents im AMP wurden, wie es dem Club derzeit geht und was sein musikalisches Profil besonders macht, lest ihr im Interview.

GROOVE: Du, Sven, hast das AMP mit eröffnet. Wie kam es dazu, dass du dort auch Resident bist?

Sven Krützmann: Ich habe gerade intensiv überlegt, wie ich die letzten zehn Jahre zusammenfasse, aber möchte euch den Monolog nicht antun. Um’s kurz zu machen: Ich bin damals auf Basis elektronischer Musik zur Szene gestoßen – beruflich wie musikalisch mache ich seitdem eigentlich nichts anderes. Ich war außerdem irgendwie immer ein Kind der Gastronomie und habe seit meiner Jugend durchgehend Musik gemacht. Als Tim, Lars und ich vor fünf Jahren den Entschluss gefasst haben, einen Club zu betreiben, hatten wir bereits unser Label Panorama, haben Events veranstaltet und Musik releaset. Es war also nur logisch, dass ich am Ende selbst in der Booth stehe. Ich muss aber gestehen: Zuletzt ist es ein bisschen weniger geworden, und ich fühle mich auch in meinem kleinen Studio pudelwohl.

Wie kamst du zum Club, snoritz? Kannst du uns mehr über eure Partyreihe Social Kollektiv erzählen?

snoritz: Ich habe meinen Weg zum AMP gefunden, weil ich während der Corona-Zeit meine Begeisterung für Musik abseits des Mainstreams für mich wiederentdeckt habe. Wenn man sich in Münster für Subkultur interessiert, führt eigentlich kein Weg am AMP vorbei. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich zum festen Stamm gehörte und meine Ambition einer Residency verfolgt habe.

Meinen Weg zum Social Kollektiv habe ich parallel gefunden. Ursprünglich als „Social Smoke” gegründet, handelt es sich dabei um eine Freundesgruppe, die viel auf Techno-Events unterwegs war, aber noch einen anderen Anspruch an Veranstaltungen und deren Bookings in sich entdeckte und sich deshalb dazu entschied, eigene Events zu veranstalten. Bei der Gründung war ich noch nicht Teil des Kollektivs, als ich aber Interesse gezeigt habe, haben die Jungs mich mit offenen Armen empfangen. Unsere Events, die jetzt mittlerweile nur noch „Social” heißen, veranstalten wir im Zwei- bis Drei-Monats-Turnus und freuen uns über den Zuspruch aus der Münsteraner Szene.

Das AMP hat trotz seines jungen Alters eine bewegte Geschichte hinter sich – unter anderem fiel die Eröffnungsparty auf den Tag genau dem ersten Lockdown zum Opfer. Nach der Pandemie wurde er in Münster gut angenommen. Wie hat sich der Club inzwischen entwickelt? Steht er auf gesunden Beinen?

Sven: Ich glaube, man darf sagen: Uns geht’s so weit sehr gut! Der Laden steht inhaltlich, perspektivisch und personell auf einem gesunden Fundament und wir freuen uns auf alles, was auf dieser verrückten Reise noch folgen mag. Natürlich erleben auch wir die gleichen Ups und Downs wie vermutlich alle Kulturschaffenden in diesen Zeiten, aber wir haben nach fast vier Jahren schon das Gefühl, angekommen zu sein – in diesem Job und in dem, was wir tun. Natürlich ist der jugendliche Spirit noch lange nicht verloren, aber ein wenig Professionalisierung ist auf halbem Wege zum Glück doch eingetreten! Wir machen also weiterhin unser Ding, ehe irgendwann die nächste Generation den Staffelstab übergeben bekommt.

Wie schätzt ihr die Szene in Münster ein? O.B.I. äußerte im GROOVE-Interview, dass es dort und in der Peripherie musikalisch stets härter zuging als anderswo. Könnt ihr das bestätigen?

snoritz: Ich mag an Münster sehr, dass hier jede:r auf seine oder ihre Kosten kommt, was elektronische Musik betrifft. O.B.I. stimme ich zwar tendenziell zu – wenn man die Veranstaltungen in Münster statistisch auswerten würde, würde man sehen, dass Acid, Schranz oder Hard Techno öfter laufen als andere Genres. Meiner Meinung nach definiert sich die Szene in Münster aber über ihre Vielfältigkeit. Im AMP alleine habe ich in einem Monat die Möglichkeit, auf einer Panorama SWIM zu sehen, kann am nächsten Tag zur Velvet Radio zu Dancekowski gehen und am Sonntag beim Katern schon überlegen, ob ich nächste Woche entweder zur Endstation Sehnsucht oder auf die „Zentrale” gehe, die lokale Acts mit abwechslungsreichen Bookings kombiniert. 

Sven: Ergänzend hierzu sei vielleicht noch Münsters Lage erwähnt: Einerseits als sechstgrößter Uni-Standort Deutschlands mit mehr als 70.000 Student:innen und gleichzeitig einem riesigen Einzugsgebiet aus eher ländlich geprägten Gegenden wie dem umliegenden Münsterland und dem Emsland. Das ergibt summiert eine sehr interessante Mischung und hält die Stadt und lokale Szene jung und lebendig. Ich gebe Tobi [O.B.I., Anmerkung d.Red.] auf jeden Fall Recht, dass sich das auch im Soundtrack der Stadt widerspiegelt. Der allgemeine Trend hin zu Hard-Techno-Groß-Produktionen ist hier aber vermutlich auch nicht ganz zu vernachlässigen.

Wie würdet ihr das musikalische Profil des AMP beschreiben? Wie klingt der Club für euch als Residents? Welchen musikalischen roten Faden versucht ihr zu etablieren?

snoritz: Das Profil ist für mich definitiv am Puls der Zeit. Man sieht in den Bookings Up-and-Coming-Acts, kombiniert mit großen Namen sowie lokalen Größen und Newcomern. Aus meiner Sicht als Resident kann ich nur sagen, dass man bei Gigs außerhalb von Münster immer merkt, wie verwöhnt man im Amp ist – sowohl von der PA als auch vom Publikum, das Gesamtkonzept ist einfach angenehm. Aus meiner Sicht ist der rote Faden genau das, und man sollte versuchen, diesen weiterzuspinnen, besonders bei Openings. Ich bin immer wieder überrascht, wenn in anderen Clubs Opening Acts ihre Sets bei noch leerem Floor mit 145 BPM und Y2K-Edits beginnen.

Was wollt ihr mit dem Mix transportieren? Habt ihr ein bestimmtes Konzept verfolgt? Mit welchem Setup habt ihr ihn aufgenommen?

Alle Tracks im Mix sind von uns! Entweder im Original, als Remix oder Edit, gemeinsam als Redux Rangers oder über unsere Solo-Aliasse snoritz und Sven Kruetzmann produziert und releaset. Den Mix haben wir im AMP mit folgendem Setup aufgenommen und bearbeitet: Xone:96, dreimal CDJ3000, ein Technics 1210MK2, Focusrite und Ableton.

Tracklist:

  1. Sven Krützmann & snoritz – The Gap (Unreleased)
  2. snoritz – brittle mind 
  3. snoritz – sweet release
  4. snoritz – finally feeling something 
  5. Sven Krützmann – I Might Love You [PANRS003]
  6. snoritz – in my heart 
  7. snoritz & Sven Krützmann – ID2 [PANR004]
  8. snoritz – Backyard Break Piano (Unreleased)
  9. snoritz – Wrong Chord (Unreleased)
  10. Paul Kalkbrenner – Sky and Sand (snoritz Edit) 
  11. Vasen – Sambaya (snoritz „proper Roadman“ Remix) [PANR003]
  12. Sven Krützmann – Mwaki [PANRS002]
  13. snoritz – momentum 
  14. Kings of Leon – Sex on Fire [Sven Krützmann & snoritz Edit]
  15. snoritz & Sven Krützmann – Never Again [PANR004]

In diesem Text

Weiterlesen

Features

Boutique-Festivals: Einmal einzigartige Erfahrung, bitte!

Groove+ Alpakastreicheln, Kakaozeremonien oder Luxuspavillons: Boutique-Festivals bieten die beste Experience – für alle, die es sich leisten können.

konkrit #13: Musikjournalismus – endlich wieder totgesagt!

Wir müssen darüber reden, wie wir über Musik und Kultur reden. Oder besser noch darüber, wer sich das überhaupt noch leisten kann.

Im Studio mit Luke Slater: Die Wahrheit, die es gar nicht gibt 

Luke Slater hat zuletzt seinen Alias L.B. Dub Corp für ein neues Album revitalisiert – und uns durch sein Studio geführt.