burger
burger

Mensch Meier: Betreiber-Kollektiv verkündet Ende des Clubs

Vor einigen Wochen wurde bekannt, dass das Mensch Meier den Betrieb gegen Ende des Jahres einstellen wird. Es ist auch bekannt, dass sich viele Clubs schwer tun, ihre Betriebskosten zu stemmen, die in den letzten Jahren stark angestiegen sind. Im Mensch Meier ging politische Arbeit mit Solipartys, Ausstellungen und Lesungen mit einem anspruchsvollen Booking auf der Höhe des Berliner Nachtlebens Hand in Hand. Über das Ende des linken Clubs und die aktuelle Situation der Clubkultur haben wir mit Jenny P, die für die Öffentlichkeitsarbeit des Mensch Meier zuständig ist, gesprochen.

GROOVE: Ihr, das Betreiber-Kollektiv, wollt den Betrieb des Mensch Meier ab Ende Jahr nicht mehr weiterführen. Wieso das?

Jenny P: Die Gründe dafür sind vielschichtig. Es hat vor allem damit zu tun, dass sich die Bedingungen, unter denen man Clubs betreibt, verändert haben. Es gibt eine große Differenz zwischen unserem Ideal von Preispolitik – dem, dass wir Leuten Zugang zu Freiräumen verschaffen können – und der Realität, in der wir gezwungen sind, die Preise zu erhöhen. Es hat in den letzten Jahren durch Inflation und Corona einfach massive Preissteigerungen gegeben: Getränkepreise im Einkauf, Mietkosten, Heizkosten, DJ-Gagen – alles ist viel teurer geworden. Deshalb müssen auch wir unsere Preise erhöhen. Wir sind an dem Punkt angelangt, wo unsere Mitarbeiter nicht mehr zu unseren Partys gehen würden, weil sie zu teuer sind. Das ist für uns nicht akzeptabel und ein Grund, weshalb wir nicht mehr weitermachen möchten.

Zwingt euch die finanzielle Lage, aufzuhören?

Die finanzielle Lage ist ein großer Punkt, außerdem sind wir nach zehn Jahren kollektivem Betrieb mit flachen Hierarchien, was immer viel Aufwand bedeutet, alle älter geworden, und die Kapazitäten sind aufgebraucht. Wäre die finanzielle Lage eine andere, wüsste ich nicht, wie es weitergehen würde. Aber unter den momentanen Umständen können wir nicht das tun, was uns idealerweise vorschwebt.

Welche Rolle spielte dabei die Pandemie?

Eine sehr Große. Es ist uns zum Beispiel aufgefallen, dass die DJ-Gagen durch sie massiv angestiegen sind. Die Energiekosten sind horrend hoch, sodass ein Betrieb kaum noch möglich ist.

Jenny P vom Mensch Meier (Foto: Presse)

Was kann man sich konkret darunter vorstellen?

Die Bookingkosten belaufen sich teilweise auf das Doppelte. Wir können aber nicht einfach den Eintritt doppelt so teuer machen, das wäre unbezahlbar für viele Gäste.

Siehst du darin eine generelle Bedrohung für die Clubkultur?

Ich kriege schon mit, dass kleine Läden wie beispielsweise das Tube in Düsseldorf nach und nach wegbrechen. Ich glaube, dass Clubs gerade auf eine Gabelung zusteuern, an der sie entweder zumachen müssen oder ihren Betrieb derart kommerzialisieren, dass sie weiterhin bestehen können. Allerdings kann ich mit solchen kommerzialisierten Clubs nicht viel anfangen. Die entsprechen nicht dem, was ich unter Clubkultur verstehe. Kleinere, intime Clubs können in der Art nur schwer weiterbestehen.

Wollt ihr damit, dass ihr euer Ende in Verbindung mit der prekären finanziellen Lage kommuniziert habt, ein Zeichen setzen?

Wir hören nicht auf, um ein Zeichen zu setzen. Aber weil wir aufhören und das Thema Beachtung verdient, wollen wir auch ein Zeichen setzen. Denn es sind nicht nur wir, die in einer schwierigen Lage sind. Auch das ://about blank, die Renate und andere Läden sind bedroht – teils auch durch andere Gründe. Wenn Berlin so weitermacht wie bisher, wird das bald eine karge Clublandschaft sein. Deshalb ist es superwichtig, das Thema früh genug anzusprechen.

Wie geht es mit dem Mensch Meier weiter?

Der Entschluss, aufzuhören, ist gefasst. Die Luft ist einfach raus. Unser Wunsch ist es, den Ort weiterzugeben. Es gibt noch keinen konkreten Plan, wie es weitergehen soll. Wir hoffen natürlich, dass es mit einem ähnlichen Leitgedanken weitergeführt wird.

Was ist Raum für Neues?

Dadurch, dass wir gehen und Raum für Neues, für anderes schaffen, wollten wir die Aktion so benennen. Momentan befinden wir uns in einem akuten finanziellen Engpass, deshalb versteigern wir Dinge aus dem Club, die einen speziellen Stellenwert haben. Der Erlös fließt direkt in den momentanen Betrieb, sodass wir das Mensch Meier bis zum Winter für all diejenigen geöffnet lassen können, die noch einmal hierher kommen wollen.

In diesem Text

Weiterlesen

Features

Die Krake-Eröffnung im Berghain: Richtig Welle machen

Perücken wie lange und bunte Fell-Fetzen und allzu verständliches Selbstlob – bei der Krake-Eröffnung im Berghain gab es einiges zu erleben.

Boutique-Festivals: Einmal einzigartige Erfahrung, bitte!

Groove+ Alpakastreicheln, Kakaozeremonien oder Luxuspavillons: Boutique-Festivals bieten die beste Experience – für alle, die es sich leisten können.

konkrit #13: Musikjournalismus – endlich wieder totgesagt!

Wir müssen darüber reden, wie wir über Musik und Kultur reden. Oder besser noch darüber, wer sich das überhaupt noch leisten kann.