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2023: Diese Neujahrsvorsätze gehören auf den Dancefloor

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Das Jahr ist einen Kater alt, die Vorsätze haben sich längst pulverisiert – wer 2023 noch immer mit dem Rauchen aufgehört hat, nuckelt zur Belohnung an der Einweg-Zigarette. Ausnahmsweise, klar! Morgen lebt man „wieder gesünder”, bekommt „die Handysucht in den Griff” und „steht beim ersten Weckerklingeln” auf.

Außer am Wochenende – da eskaliert man weiterhin im Tour-de-France-Outfit zum Miley-Cyrus-Edit, bevor man den Sound der neuen Krisen tiktokisiert, um irgendwann draufzukommen: Die Luft ist raus!

Noch kam niemand auf die Idee, in der dunklen Kammer den Lichtschalter zu suchen, im Gegenteil: Viele sagen Techno, alle hören Schranz. Dazu scheppert der Full-Body-Harness im Rhythmus einer ausgeprägten Kokainsucht, weil Ballern längst zum Volkssport geworden ist. Aber wie lange noch?

Flüchten wir auch im neuen Jahr auf den Dancefloor, um alle Prinzipien auf der Clubtoilette runterzuspülen? Nein! 2023 wird anders, 2023 wird gut! Dafür müssen wir nur die eingerosteten Stellschräubchen justieren. Deshalb fangen wir besser bei der nächsten Klubnacht an – mit technoaffinen Vorsätzen, die sich auch im fortgeschrittenen Marschiertempo zur Anwendung bringen lassen.


Sonnenbrille beim Dancefloor-Gespräch abnehmen und damit die gute Erziehung zeigen

Mode ist vergänglich! Der Fischerhut in Neongelb glänzt 2023 nicht mehr so geil wie noch vor ein paar Monaten. Die Fußballerfrisur ist ausgewaschen wie das Festivalshirt von 2011. Und das Nasenmoped hat man längst gegen die Skibrille getauscht, weil … na ja, die schnelle Brille inzwischen aussieht, als hätten Dioptrinjunkies beim Winterschlussverkauf im Shop für Berghainmode zugeschlagen. Bevor man auf die Idee kommt, sich was Neues ins Gesicht zu klatschen, könnte man das Ding im neuen Jahr ganz weglassen. Das zeugt nicht nur von Kenntnissen der Klubnacht-Knigge, sondern führt auch dazu, die schönsten Blicke nicht mehr hinter verspiegeltem Hartplastik zu verstecken.

Homeoffice im Berghain

Strom ist teuer, Heizen auch! Wer sich nicht mehr in der ausgekühlten Altbauwohnung durchs Zoom-Meeting schlottern will, packt am Sonntag den Laptop ein, stellt sich fünf bis acht Stunden vor dem Berghain an und erscheint am Montag pünktlich im Homeoffice – aus der Panorama Bar. Für körperliche Wärme sollte gesorgt sein. Eine junge und dynamische Crowd sichert die agile Matrix. Wer sich an der lauten Musik stört, noise-cancelt sich mit Regenwaldrauschen oder Walgesänge durch den Arbeitsalltag. Notfalls bringt man im Berliner Senat einen Antrag für eine schallsichere Soundbooth ein. So steht der gesunden Work-Life-Balance nur noch der Türsteher im Weg!

Vom DJ wegdrehen und den Leuten zuwenden

Wohin man sich zum betreuten Stampfen verirrt, die Crowd richtet sich zur DJ aus. Manche mögen dabei mit geschlossenen Augen auf der Langstrecke unterwegs sein, andere arbeiten am Insta-Fame oder boxen gegen innere Dämonen – die Bewegung zum Beat geht immer zur Booth. Was aber passierte, würde man es wagen, sich umdrehen? Sorgt man für den spontanen Zusammenbruch des Dancefloors? Studiert man die soziologischen Auswirkungen von Mischkonsum? Oder wird man von der hinteren Person aus Versehen K.O. geschlagen? Fragen, die man nur beantwortet, wenn man sich nicht mehr von schönen Rücken entzücken lässt, sondern die Tänzer:innen um einen herum genauso ernst nimmt wie die Person auf der Bühne.

TikTok ist schon OK

Überraschung: Die Kids gehen aus! Weil die Pandemie ihr zwei Jahre ihrer Jugend geklaut hat, hat die letzte Generation noch Power im Akku. Außerdem zwickt mit Anfang 20 selbst nach Stunden auf der Streckbank noch lange kein Rücken. Optimale Voraussetzungen, um die eingeübten TikTok-Tanzschritte einem Realitäts-Rave zu unterziehen. Man zwängt sich in Kunstleder-Klamotten, postet das vorletzte Statusupdate aus der Schlange und genießt die abschätzig-verunsicherten Blicke der Boomer beim Ballern. Was soll man dazu sagen? The kids are alright, Mann!

Morsesignal via Handybildschirm abgeben, wenn man die Track-ID gefunden hat

Das Set pfeift rein, die Tracks sind geil. Um beim nächsten Bluetooth-Pairing abzuliefern, grapscht man auf dem Dancefloor in die Bauchtasche, tippt blind den Code ein und shazamed den Bänger. Heimlich, klar. Soll schließlich niemand wissen, dass man von Techno keine Ahnung hat. Doch halt, stopp – 2023 wird das Jahr der Dancefloor-Fürsorge! Damit nicht mehr alle verstohlen auf ihr Handy schielen müssen, einigt man sich zukünftig auf eine:n Track-ID-Verantwortliche:n. Die Person morst mit ihrem Display im Takt der Trommel, wenn sie auf Shazam den Track gefunden hat. Jetzt wissen alle anderen Bescheid und können nach der ID fragen. Toll! 

Mehr Achtsamkeit am Dancefloor

Alle deine Sinne sind hellwach, du lebst den Moment, reflektierst dein Selbst – vollkommenes Glück! Natürlich hat dein Zen-Zustand nichts mit dem Kaugummiautomaten zu tun, den du vor einer Stunde auf der Clubtoilette geplündert hast. Es sind die Kärtchen, die du aus deiner Radlerhose zwirbelst. Auf ihnen hast du einfache Übungen für mehr Achtsamkeit im Alltag notiert: „Wichtig ist, loszulassen und zu vertrauen, dass nichts ohne Grund passiert”, steht auf einer. „Gute Freunde sind für immer”, auf der anderen. Du steckst sie einer wildfremden Person in der Kloschlange zu und lächelst versonnen in dich hinein, während du an deiner Herzchakra-Kette festhältst.

Endlich heimgehen, wenn es am schönsten ist

„Puh, langsam geht mir die Puste aus. Ist eh schon halb acht. Die Mukke ist auch eher so … Na ja, ein letzter Espresso Martini geht noch. Wie, du hast was dabei? Na dann, also gut, ich wollt’ ja eigentlich … Fuck, schon wieder Montagmorgen!” Wer’s nicht kennt, lügt! 2023 hört man auf den Blutzuckerspiegel – und verlässt den Kutter, bevor man den eigenen Körper mit den Kaputten versenkt. Die Afterhour schlägt man vorsorglich aus. Der Afterglow genügt – allein, in der S-Bahn, Hauptsache ohne Puderzucker zum Porridge!

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