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Refuge Worldwide: „Es ist schwer zu definieren, was hier passiert”

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Refuge Worldwide liegt nur drei Kilometer vom Vergleichsprojekt HÖR entfernt, doch die Konzepte trennen Kontinente. Während HÖR auf einen beißenden Look und ein puristisches, technoides Profil setzt, stehen bei Refuge Worldwide stilistische Offenheit und politischer Aktivismus im Vordergrund.

Ursprünglich startete George Patrick das Projekt 2015 während der Flüchtlingskrise als Fundraising-Plattform unter dem Namen Refuge. Durch Partys wurden finanzielle Mittel gesammelt, um Betreiber:innen von Flüchtlingsunterkünften zu unterstützen. Später erweiterte sich das Spektrum. Man half auch Frauenhäusern oder einer Musikschule für marginalisierte Personen.

Anfang 2021 gründeten George Patrick und Richard Akingbehin gemeinsam Refuge Worldwide. Schnell bot die Radiostation mit Sitz in Berlin-Neukölln eine Anlaufstelle für junge aufstrebende Künstler:innen und etablierte DJs, während gleichzeitig ein Raum für wöchentliche Workshops und Trainingsprogramme für Medien, kreative Bereiche und psychische Gesundheit entstand.

Musikalisch setzt das Radio auf Vielfalt – Hip Hop, New Wave und Reggae bilden mit House, Ambient und IDM nur einen kleinen Teil des gesamten Musikportfolios. Neben den live gestreamten Radiosendungen gehören auch Interviews und Diskussionen zu politischen Themen zum Konzept. Ferner kuratiert man Bühnen auf Festivals wie Melt oder Gala, um Spenden zu sammeln, und plant eine europaweite Tour mit DJ-Workshops.

Unser Autor Moritz Weber wollte wissen, wie das besondere Refuge-Profil zwischen Musik und Politik mit seiner einzigartigen Community entstanden ist, die die DNA des Radios ausmacht, und wie es in Krisenzeiten möglich ist, ein nichtkommerzielles Radio zu betreiben, das sich trotzdem selbst finanziert.

Wer abends durch die Weserstraße in Berlin-Neukölln spaziert, merkt, dass vor der Tür einer bestimmten Bar regelmäßig größere Menschenmengen stehen. Ein buntes Publikum verteilt sich in Grüppchen auf dem Bordstein, es wird geraucht, manche halten eine Flasche Bier oder ein Glas Naturwein, andere bewegen sich noch leicht zu der Musik, die aus der Bar auf die Straße strömt. Diese Aussage könnte zwar genauso auf jede Bar in Berlin zutreffen, beobachtet man jedoch das Treiben genauer, sieht man, wie DJs mit Platten unter dem Arm ein und aus gehen.

Refuge Worldwide in der Weserstraße in Berlin-Neukölln (Foto: Joseph Wolfgang Ohlert)

Dass es hier um mehr geht, begreifen Flanierende erst, wenn sie in den hinteren Teil der sogenannten Oona Bar gelangen. Dort befindet sich ein kleiner Raum, in den gerade mal eine Couch und ein paar kleine Tische passen. In der Ecke steht eine LED-Lampe mit dem Refuge-Worldwide-Logo, die den Raum in mattes, hellrotes Licht taucht. Hinter einer großen Glasscheibe befindet sich das Herz des Radiosenders: das Studio. Dort legen DJs wie Chloe Lula, Naty Seres oder Palms Trax auf. Dort moderieren Hosts wie Nikola und  Mokeyanju die Morning Show. Dort finden Diskussionen zu einer nachhaltigen Clubkultur statt.

„Als wir über einen Radiosender nachdachten, schwebte uns eine Gemeinschaft rund um die Website, unsere Plattform und den physischen Raum vor”, erklärt mir George Patrick, als ich an einem strahlenden Sommertag die beiden Gründer von Refuge Worldwide besuche. „Das ermöglicht es, auf ganz andere Weise zu wachsen als eine reine Online-Plattform.”

Wichtiger als 100.000 Instagram-Follower:innen

Patrick passt mit seiner Brille mit durchsichtigem Gestell, seinen kurzen Shorts und dem weißen Shirt optisch gut in die hippe Berliner Szene. Er ist 35 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Glasgow. Als Promoter und Videoproduzent zog es ihn 2014 nach Berlin. Im ersten Moment wirkt er so ruhig wie fokussiert.

George Patrick (links) und Richard Akingbehin vor dem Studio in der Weserstraße (Foto: Molly Maltman)

Wir sitzen vor dem Studio. An der Wand hängen ausgewählte Platten von Resident-DJs, Pflanzen und Poster vergangener Veranstaltungen sowie T-Shirts und Taschen mit dem Refuge-Worldwide-Logo. Während wir reden, werden neben uns Getränkekisten verladen. Hörer:innen holen ihre vorbestellten Shirts ab. Das Studio geht gleich on air.

„Es ist meistens sogar noch voller als heute”, sagt Richard Akingbehin, während er schnell noch eine selbstgemachte Limonade für mich mischt. „Wenn jemand sein erstes DJ-Set spielt, bringt die Person viele Freund:innen mit. Sie sind die Leute, die eine Bar vollmachen, nicht die 100.000 Instagram-Follower:innen eines Star-DJs. Für uns ist es ziemlich verrückt zu sehen, dass das buchstäblich täglich passiert. Und wir sind stolz darauf, dass wir den Leuten diesen Raum geben können und sie das ganze Konzept annehmen und den Laden rocken.”

„Das Wort Radiosender deckt kaum ab, was hier passiert”

Richard Akingbehin

Akingbehin bildet eine Art Gegenpol zu Patrick. Er ist deutlich größer und hat einen lässigeren Style. Er wuchs im Nordwesten Englands auf und zog ebenfalls 2014 nach Berlin. Mit seinem Label Kynant Records veröffentlicht er seit 2015 Techno, Ambient und Dub. Vor seiner Zeit als Mitgründer von Refuge Worldwide arbeitet er als Journalist für Resident Advisor, als Booking Agent und Artist Manager.

Patrick und Akingbehin lernen sich über verschiedene Jobs und Freundesgruppen kennen. „2020 hat George angefangen, die Saat für die Transformation von Refuge Worldwide zu legen, aber er brauchte dafür einen Partner. Ich war dankbar, dass er mich gefragt hat”, erzählt Akingbehin halb lachend.

Durch Erfahrungen in ihren früheren Jobs wird beiden schnell klar, was ihnen wichtig ist. Sie wollen Musik unter die Leute bringen, aber Musik als Geschäft stößt sie ab. „Die Pandemie hat uns allen ein bisschen Zeit zum Nachdenken gegeben. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass das unsere Chance ist, unsere Richtung zu ändern. Deshalb wollten wir all unsere Kontakte, unsere Erfahrungen und das Wissen, das wir in den letzten Jahren angesammelt haben, in etwas anderes verwandeln”, beschreibt Patrick den Ursprung von Refuge Worldwide.

Refuge Worldwide (Foto: Ellie Coker)

„Es ist schwer zu definieren, was das jetzt ist”, erwidert Akingbehin. „Ich glaube, das Wort Radiosender deckt kaum ab, was hier passiert. Es ist viel umfassender.” Für den Mitgründer splittet sich Refuge Worldwide in verschiedene Bereiche auf, sei es das klassische Streaming-Programm, das Workshop-Programm oder die Bar, durch die es einen konkreten räumlichen Zufluchtsort für Refuge Worldwide gebe.

„Natürlich liegt das Hauptaugenmerk darauf, die Community weiter auszubauen, die Grundlage dafür bildet das Radio. Das ist das Kernstück”, sagt Richard und meint: „Wir wollen unser Radio stetig verbessern, indem wir verschiedene Themen abdecken und verschiedene Leute hier haben.”

Wie Refuge Worldwide arbeitet

Das Prinzip des Radios ist recht einfach. Auf der werbefreien Internetseite werden die Liveshows aus der Oona Bar täglich von 10 bis 24 Uhr gestreamt und anschließend hochgeladen. Ergänzt wird das Programm durch Interviews, Reportagen und Diskussionen, die manchmal transkribiert werden, damit sie Leute nachlesen können. Außerdem runden Foto-Essays und Bildergalerien das Programm auf der Website ab.

Zum Musikprogramm bietet man bei Refuge Worldwide auch regelmäßige Workshops an. Von deren Erfolg zeigen sich Akingbehin und Patrick begeistert. Schließlich gehe es etwa um die Selbstorganisation marginalisierter Gruppen, um Mental Health und um Medien- und Musikproduktion. Natürlich auch Thema: die Produktion von Radiosendungen und damit das Erlernen von Recherche sowie Interviewtechniken, Audiobearbeitung, DJing, Mikrofontraining und Promotion.

Die Sendung von Akimat & Dance 98 heißt Still On Hold (Foto: William Whyte)

Finanziert werden die Workshops durch Kooperationen mit Apple Creative Studios, Resident Advisor oder Open Music Lab Berlin. „Das klingt nach einem Masterplan”, sagt Akingbehin. „Aber den gibt es nicht. Wir lernen täglich dazu und schauen, in welche Richtung wir gehen wollen. Wir versuchen, nach jedem Workshop Learnings mitzunehmen und es beim nächsten Mal noch besser zu machen. Man muss offen für Neues bleiben.”

„Diese Lernzyklen werden auch immer wieder von Gaby, unserer Workshop-Koordinatorin, durchlaufen”, ergänzt Patrick. „Sie und unser Team kümmern sich um alle Herausforderungen und Probleme, die mit so einem Workshop kommen.” Neben Akingbehin und Patrick gehören etwa sechs Personen zum Kernteam von Refuge Worldwide. Max ist eine von ihnen. Er kümmert sich um redaktionelle Arbeiten und die Pflege der Website. Zusätzlich gibt es einen größeren Pool an freien Autor:innen und Nicky, den Community Manager. Graeme kümmert sich um das Sounddesign im Studio, wohingegen Laura als Venue Managerin die Oona Bar leitet.

„Außerdem haben wir ein riesiges Team an Residents”, sagt Akingbehin stolz. „Diese hängen mit einer Menge anderer Leute ab, die nicht unbedingt eine Show haben, aber sie sind einfach die ganze Zeit hier, plaudern, knüpfen Kontakte und helfen dabei, eine nette Umgebung zu schaffen. Sie sind genauso Teil des Teams wie jede:r, der oder die eine Show macht oder hier arbeitet. Ohne sie wäre die Atmosphäre nicht dieselbe”, so Richard.

Von einfachen Google Sheets zum vollgepackten Timetable

Die Gelassenheit verschwindet, als die beiden von der Zeit direkt nach der Gründung von Refuge Worldwide 2021 erzählen – eine Zeit langer Nächte ohne viel Schlaf, dafür mit viel Stress. „Im ersten Monat haben wir so viel Zeit damit verbracht, interessante Leute zu finden, sie anzusprechen und verschiedene Perspektiven und Musikgeschmäcker einzufangen. Das war eine Menge Arbeit”, erinnert sich Akingbehin.

Die Tage des ersten Lockdowns verbrachten Patrick und Akingbehin vor ihren Laptops – sie arbeiteten an Tools für die Shows. Basis dafür seien einfache Excel-Tabellen, eine gängige Radio-Software und mehrere Google Sheets gewesen. „Das war schon sehr stressig. Durch den Lockdown war Streaming auf einmal ein großes Thema, alle wollten von Anfang an dabei sein. Künstler:innen hatten viel Zeit, das Radio war eine Möglichkeit für sie – uns half das gute Timing”, so Patrick.

Refuge Worldwide (Foto: Frankie Casillo)

Zu Beginn sei das Programm deutlich schlanker gewesen. Man befand sich in der Aufbauphase, so Patrick. Außerdem habe es den Raum in der Weserstraße noch nicht gegeben. Patrick fand ihn zufällig, als er an einem leeren Lokal in Neukölln vorbeispazierte. Um sich den Platz zu sichern, musste man schnellstmöglich zuschlagen und dazu erst mal die finanziellen Mittel aufbringen.

Mithilfe der langsam wachsenden Community konnten innerhalb eines Monats via Crowdfunding 10.000 Euro gesammelt werden. Danach lief das Live-Programm sechs Stunden am Tag. „Nach einiger Zeit öffneten wir mehr Slots, weil wir so viele Leute hatten, die Sendungen spielen wollten. Inzwischen versuchen wir, alle Lücken zu füllen, die wir in den verschiedenen Genres oder Themen haben”, sagt George.

„Es ist wie ein Puzzle, bei dem man all diese Leute auf interessante Weise zusammenbringt”

Richard Akingbehin

„Auf eine vielfältige Gruppe von Künstler:innen zurückgreifen zu können, die alle über erstaunliche Fähigkeiten verfügen, ist ein Privileg”, so Akingbehin. Künstler:innen wie Alex Kassian, Gabrielle Kwarteng, Nick Höppner oder Kollektive wie Femme Bass Mafia sind nur ein kleiner Teil des Programms bei Refuge Worldwide. Auch mehr oder weniger unbekannte DJs bekommen die Chance. Dass sie in die Formate reinwachsen und sich weiterentwickeln, ist Akingbehin besonders wichtig.

Neue Künstler:innen spreche man direkt an, wenn diese gut ins Portfolio passen. Bezahlt würden sie nicht, allerdings können sie die Plattform von Refuge Worldwide kostenlos nutzen. „Es ist wie ein Puzzle, bei dem man all diese Leute auf interessante Weise zusammenbringt”, so Akingbehin weiter. „Wir ermutigen verschiedene Leute, sich zu treffen, indem wir sie zusammen hinters DJ-Pult stellen. Es ist eine besondere Art der Kuration – nicht nur für die Leute, die zuhause zuhören, sondern auch für die Leute in der Bar.”

Nicky Böhm und Nick Tsirimokos, Hosts von Face the Music, im Gespräch mit Perera Elsewhere (Foto: William Whyte)

Spricht man länger mit den beiden, kommt immer wieder eine gewisse Mischung aus Begeisterung und Dankbarkeit auf. Es wird deutlich, dass es sich bei Refuge Worldwide um ihr Herzensprojekt handelt. Dabei sind sie selbst überrascht, wie schnell es an Fahrt aufgenommen hat. „Wenn man uns am Anfang gefragt hätte, wo wir Ende 2022 stehen, hätten wir auf keinen Fall gedacht, dass wir so weit kommen, wie wir gekommen sind”, gesteht Patrick mit ernstem Blick. 

Ob der Drive und die Begeisterung die Bescheidenheit der beiden übertrumpfen, lässt sich schwer sagen. „Wir können nicht von außen auf Refuge Worldwide schauen. Weil wir immer neue Musik finden und mehr Workshops und Events veranstalten wollen, denkt man nie wirklich daran, dass wir den Durchbruch geschafft haben, weil es immer wieder Durchbrüche gibt”, so Patrick. Die besten entstünden übrigens, wenn man als Team ein Problem löst – „und sei es nur, wenn man ein Mikro repariert”, ergänzt er.

„Es gibt immer wieder neue Durchbrüche”

George Patrick

Diese Herangehensweise ist vielleicht der Grund, warum Refuge Worldwide so gut funktioniert. Die beiden Gründer sind ausschlaggebend für die Außendarstellung, ohne unbedingt im Mittelpunkt zu stehen. Dass sich Arbeit und Freundschaft vermischt haben, ist ein weiterer Faktor. „Richard ist sehr großzügig mit seiner Zeit, seine Arbeitsmoral ist verrückt” sagt Patrick. „Außerdem bewundere ich ihn für seine Fähigkeit, so ruhig mit allem umzugehen.”

„Auch George arbeitet extrem hart”, sagt Akingbehin. Während er selbst die Nächte auf sich nehme, arbeite George vor allem in den Morgenstunden. „Das ist der Unterschied zwischen uns, aber so fungieren wir permanent als Ansprechpartner für das gesamte Team.” Akingbehin macht eine Pause, dann sagt er langsam: „Ich glaube, dass es das Feuer in ihm ist, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Das macht ihn zu so einem besonderen Partner.”

Aktive Hilfe statt bloßes Spenden

Refuge Worldwide arbeitet weder kommerziell noch nicht-kommerziell. Das Projekt finanziert sich durch Partnerschaften und Kollaborationen. Durch die Nutzung der Refuge-Worldwide-Plattform fließen die Gelder der Partnerschaften an den Radiosender oder an Hilfsorganisationen. Außerdem habe die Bar Bewegung in die finanzielle Situation gebracht, erklärt George. „Die Leute geben Geld für Getränke, Merch oder Platten aus. So kann die Radiostation weiterlaufen und auch das Personal bezahlt werden.”

Der Studio-Space in der Weserstraße hat sich zum Treffpunkt entwickelt (Foto: Ella Yarnton)

Die Bar alleine reiche jedoch nicht aus, um Miete, Workshops oder das stetig wachsende Team zu finanzieren, das sich wöchentlich um die vielen Stunden des Programms kümmert. „In den ersten Monaten mussten wir herausfinden, wie wir Geld verdienen können, um uns und andere Projekte zu finanzieren, die wir unterstützen wollen, und unseren Leuten einen richtigen Job bieten können, mit dem es sich gut leben lässt”, führt Patrick fort.

Um die finanziellen Hürden zu bewältigen, liege der Fokus neben der Bar auf Partnerschaften mit anderen Medien. Zusätzlich zu eigenen Veranstaltungen kollaboriert Refuge Worldwide mit verschiedenen Marken wie Carhartt. Die Workshops würden meistens von Unternehmen moderiert und gesponsert, so Patrick. Mit der Crowdfunding-Plattform Patreon sei man eine Partnerschaft eingegangen. Dadurch können Spender:innen exklusives Radiomaterial hören. „Wir suchen uns dann eine Non-Profit-Organisation aus, an die wir das Geld spenden.”

„Es ging immer nur um Spenden, Spenden, Spenden. Jetzt möchten wir aktiv helfen”

George Patrick

Eine Spendenübersicht von Refuge Worldwide sucht man jedoch vergebens. Weil es sich oft um gespendete Workshop-Programme handle, wie Patrick sagt. „Es sind nicht nur klassische Spenden, die wir auszahlen. Zum Beispiel leiten zwei Personen aus unserem Team einen DJ-Workshop in Kreuzberg. Wir bezahlen sie mit den Patreon-Spenden dafür, dass sie diese kostenlosen Workshops machen”, versucht George die Geldflüsse ein wenig aufzudröseln. Die Gehälter der acht Mitarbeiter:innen kommen neben Sponsorings von Marken wie Carhartt, Apple und Nike durch die Bar-Einnahmen und Merch-Verkäufe zusammen.

Es sind aber auch kleine Dinge wie eine kostenlose Nutzung des eigenen Studios, die das Radio ausmachen. „Jeden Montag öffnen wir die Türen mit einem Online-Buchungssystem, jeder kann kommen und es nutzen”, ergänzt Akingbehin. Ähnlich sei es damals beim Gala Festival zu einer Unterstützung gekommen. „Ich glaube, es war die Queer Black Therapy, die damals gegründet und von Gala im Gegenzug für Radiosendungen finanziell unterstützt wurde”, so Patrick. Refuge Worldwide spendete dem Projekt über sechs Monate die Hälfte aller Einnahmen, die über Patreon reinkamen.

Besser als 100.000 Insta-Follower: Die Crowd von Refuge Worldwide (Foto: Molly Maltman)

Inzwischen gehen alle Spenden von Patreon an die Non-Profit-Organisation Lilipad. Refuge Worldwide pflege dadurch andere Beziehungen zu gemeinnützigen Organisationen, etwa durch die Plakate der „Now You See Me Moria”-Kampagne, die in der Bar hängen. „Wir bemühen uns um Solidarität und nicht nur um Wohltätigkeit. Es geht nicht nur darum, Geld zu spenden. Das haben wir am Anfang gemacht, es ging immer nur um Spenden, Spenden, Spenden. Jetzt möchten wir aktiv helfen”, so Patrick.

Deshalb rufe man auf der Website immer wieder zur Hilfe auf. Es werden Leitartikel zu verschiedenen Themen veröffentlicht, meistens über marginalisierte Gruppen. Es finden sich immer Unterstützungserklärungen. Manchmal poste man auch Termine zu Demonstrationen, so Akingbehin.

Nach dem Workshop darf auch getanzt werden

Als letztes Projekt hat Refuge Worldwide im Oktober 2022 eine Breakfast Show gestartet. „Wir wollen, dass man mit uns in Berlin aufwacht, zur Arbeit geht und mehr darüber erfährt, was bei uns im Sender vor sich geht”, sagt Patrick und meint: „Die Moderator:innen Nikola und Mokeyanju sollen zu einer erkennbaren Stimme für den Sender werden.” Ähnlich wie beim britischen Pendant NTS Radio gibt es zusätzlich einen Chatroom, um mehr Interaktion zwischen Publikum und Sender aufzubauen.

Anfang Oktober ist außerdem eine Europa-Tour gestartet, die mit dem Regenerate Festival in Berlin eröffnet wurde. „Zum Abschluss kommen wir nochmal nach Berlin in die Panorama Bar – das macht zwölf Partys in zwölf Wochen”, so Akingbehin.

Haben eine gute Zeit und helfen: George Patrick und Richard Akingbehin (Foto: Ellie Coker)

Neben Künstler:innen wie Bradley Zero, Gramrcy und THC spielen die beiden Gründer selbst auf den Veranstaltungen. Vor jeder Party wird es einen DJ-Workshop geben. Dazu laden wir Leute aus der jeweiligen Stadt ein, damit sie lernen aufzulegen und die Chance haben, zum ersten Mal auf einem Club-Soundsystem zu spielen”, so Akingbehin.

Einzelne Shows werden über die Radioplattform nachträglich gestreamt und somit der gesamten Community zugänglich gemacht. „Es wird also aufregend sein, diese Städte zu besuchen und zu versuchen, ein wenig von dem zu teilen, was wir machen”, sagt Patrick. „Es geht nicht nur darum, sich zu besaufen und zu tanzen. Deshalb machen wir davor die Workshops. Wir möchten Leuten eine gute Zeit ermöglichen und gleichzeitig helfen.”

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