Phase Fatale (Foto: Sven Marquardt)

Auch wenn der erneute Lockdown beschlossene Sache ist – die Erfahrung, die Amplify Nachwuchsmusiker*innen zu Pandemie-Zeiten verschafft, ist ihnen nicht mehr zu nehmen. Im aktuellen Semester der Initiative des ACUD Macht Neu lehrt Berghain-Resident Phase Fatale. Im Kurzinterview erklärt Hayden Payne, wie der Industrial- und EBM-Aficionado bürgerlich heißt, wie er diese Tätigkeit angeht.

Just läuft übrigens noch die Bewerbungsfrist für das nächste Semester. Noch bis 15. November können interessierte Künstler*innen ihre Bewerbung einsenden und im Januar respektive Februar von Afriqua oder Lyra Pramuk lernen.


Vor nicht allzu langer Zeit warst du Musikstudent in New York. Wie fühlt es sich an, jetzt selbst zu lehren und dein Wissen weiterzugeben?

Ich wollte das schon immer mal versuchen. An der New York University habe ich den Bachelor in Musiktechnologie abgeschlossen und von einigen tollen, erfahrenen Professor*innen gelernt. Außerdem habe ich viel von meinem Vater gelernt, der in den Achtzigern hauptsächlich als Techniker in der Musikindustrie gearbeitet hat. Ich hoffe, in gleicher Weise aufstrebende Talente zu fördern.

Aufgrund der Pandemie sind Auftrittsmöglichkeiten für junge Künstler*innen sehr beschränkt. Ist Amplify da ein guter Ersatz?

Amplify bietet ihnen auf jeden Fall ein Ziel, auf das sie hinarbeiten. Ich selbst sehe mich beispielsweise besser, wenn ich eine Deadline habe und etwas, auf das ich mich zubewege. Da wir noch immer kleine Auftritte durchführen können [das Interview stammt aus dem frühen Oktober, gemeint waren nicht-öffentliche Konzerte im kleinsten Kreis, d.Red.], ermöglichen wir den Künstler*innen, den Prozess von der Vorbereitung ihres Live-Sets bis zur tatsächlichen Performance durchzumachen. Das ist unersetzlich.

Hattest du am Anfang deiner Karriere ebenfalls Unterstützung von erfahreneren Leuten?

Wie bereits erwähnt, hat mir mein Vater viel beigebracht. Vor allem am Bass, an der Gitarre und in der Tontechnik. Ich hatte außerdem das Glück, musikalische Helden wie Martial Canterel und Silent Servant als Freunde zu gewinnen. Die haben mir viel über Musikproduktion und Performances gelernt und mich in der Musikindustrie geführt. Es gibt Dinge, die musst du von Leuten mit Erfahrung lernen. Sowas liest man nicht in Büchern.

Wie lehrst du? Hast du einen strikten Lehrplan oder setzt du auf Improvisation?

Ich versuche, das an die jeweiligen Bedürfnisse anzupassen. Beide Mentees [Christ Initials und robogeisha, d.Red.] etablieren in ihren Produktionen bereits ihren eigenen Sound. Ich würde mich also auf technische Aspekte im Mixing und Produzieren fokussieren und versuchen, mit ihnen mittels Sampling und unüblicher Klangsynthese-Methoden eine größere Bandbreite an Sounds zu erkunden. Zwischen uns soll natürlich ein gutes Verhältnis herrschen, damit wir das Programm in eine Richtung gelenkt bekommen, von der jede*r profitiert.

Welche Herangehensweise an die Musikproduktion versuchst du zu vermitteln?

Ich würde die herkömmliche Analogsynthese gerne hinter uns lassen und verschiedene, unorthodoxere Synthese-Optionen ausprobieren: Wavetable, FM, Granular, Sampling und so weiter. Es ist wichtig, einen eigenen Sound mit eigenen, wiedererkennbaren Techniken zu kreieren. Ob das nun das Sounddesign selbst betrifft oder das Arrangement, bestimmte Melodien oder die die gesamte musikalische Konzeption.

Zum Abschluss: Woran arbeitest du derzeit?

An einigen Kollaborationen – eine davon wird bald angekündigt! – und einer neuen Live-Performance, die neues Material enthält.