Cool Tiger – Junction White 003 (Junction)

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Mittlerweile gibt es auf Junction eine ganze Reihe von EPs, bei denen sich das Reinhören als clubaffiner Mensch der härteren Gangart durchaus lohnt. Mathieu Carsique alias Cool Tiger hat mit seinem Amsterdamer Label nun schon mehrfach ein Händchen für erbarmungslose Amboss-Ästhetik bewiesen. Im Warehouse kommen die Tracks des dritten Teils der Junction-White-Serie schon angemessen wuchtig und monoton, wollen aber eher noch eine Etage tiefer im ausrangierten Bunker gespielt werden. Dabei ist das Intro „Hide And Seek” nicht viel mehr als produktionstechnisches Malen nach Zahlen, bietet damit aber eine Schablone für den anschließenden AQXDM-Remix, der sich zu einem stabil-atmosphärischen Drum’n’Bass-Kleinod entwickelt. Fast schon lassen sich hier Pessimist-Vibes herausschmecken, aber auch nur fast. Mit „I Feel You” und „Slave” prägen zwei, nun ja, eher fordernde Tracks die B-Seite, von der man sich anfangs vielleicht etwas mehr erhofft hat. Der Erste eine behäbige Verkettung von generischen One Shots; ein paar skizzenhafte Loops, ohne Druck und Spannung. Der Zweite schon deutlich üppiger produziert, doch weitgehend ebenfalls nur auf der Ebene von Sample-Variation und Timing durchdacht. Kaum so etwas wie Textur erkennbar. Was bleibt, ist ein fader Beigeschmack. Nils Schlechtriemen

DJ City – Your Love (Public Possession)

DJ City-min

Der Mondo Delivery Service Public Possession mausert sich seit 2014 gewissenhaft und geschmackssicher zu einem der bekanntesten Münchner Labels und reiht sich damit in die Disco-Tradition von International Deejay Gigolos, Gomma oder Permanent Vacation ein. Im gleichnamigen Plattenladen in der Nähe des beschaulich-klassizistischen Gärtnerplatzes von Marvin Schuhmann und Valentino Betz – letzterer reichte Gerüchten zufolge an der Akademie der bildenden Künste gleich mal den Plattenladen als Abschlussarbeit ein – treffen sich die „La-Dolce-Vita“-Haltung der Münchner Bohème und ironische Gesellschaftskritik mit Grafikdesign, Kunstgalerie und Modelabel. Im Jahr 2020 scheinen die beiden in den Late-Night-City-Tracks-Gründer Johan Norling vernarrt zu sein. So erscheint bereits die dritte Maxi von ihm auf dem Label. Die Grafik der Vinylscheiben zitiert mit Downtown-Wolkenkratzer-Silhouetten House-Labels aus dem Chicago und New York der späten 1980er Jahre. „Your Love” erinnert an eine langsam gepitchte Mischung aus Larry Heard, Azari & III und Miss Kittin mit Männerstimme. Das kann man mögen oder hassen, Hitpotenzial hat es allemal. „New Day” klöppelt hölzern-helle TR-707-Jacksounds in Conga-Triolen, bevor die Moll-Synth-Fläche die Wahrnehmung vom Dancefloor reißt. Auf der A9 in Richtung Frankfurt der 1990er Jahre trancen die melancholisch gut gelaunten Jungs im VW Polo ihrer Rave-Jugend hinterher und umarmen sich zu den ZYX-Italo-Reminiszenzen des Glockensynths balearisch verträumt. „Light Showers” mischt zu diesem gefährlichem Gebräu noch etwas End-80s-Chicago-Acid hinzu. Grundsätzlich eine gelungene Platte, die die Linie des Labels aus Deconstructed-Club-Sounds, polyrhythmischen Latin-Nummern, Electro-Disco und in letzter Zeit auch viel Ambient weiter führt. Mirko Hecktor

Laksa – Sen On One (Timedance)

Bristolian Laksa folgt den Vorbildern seiner musikalisch schon immer vorwärtsgewandten Heimat und hat sich in den letzten Jahren erfolgreich den Mutationen zwischen UK Techno und sämtlichen Hybridsträngen der Bassmusik gewidmet. Nach Releases für Mistry und Ilian Tape folgt hier die nunmehr dritte EP für Batus Timedance, auf der sich Dancehall, Acid und weitere Versatzstücke der Dance-Geschichte in neu zusammengewürfelten Kombinationen austoben dürfen. Opener „Aardhall” basst tief in die Magengrube und bleibt nah am bristolischen Soundsystem-Stepper-Sound, mischt diesen aber geschickt mit Acid-Spritzern auf. „FWD Ghosts” hingegen lässt mehr Raum zum Schweben und verpackt den Afro-House-Vibe ganz lässig mit ins Dub-Gewand. Dronigen weightless-Sound in bester Timedance-Manier gibt’s auf der B-Seite mit „Bane”, und schließlich findet alles im Titeltrack zusammen, bei dem ungewöhnliche Drum-Patterns und Einflüsse aus Asien sowie Afrika gleichermaßen zur aufregenden Beat Science verspleißt werden. Der Experimentier-Faktor macht zwar einen Großteil der Faszination der Tracks aus, für unkonventionelle Sets und aufgeschlossene Dancefloors im richtigen Moment aber bestimmt eine Erfahrung. Leopold Hutter

Losoul – Placeless EP (Another Picture)

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Nachdem Peter Kremeier alias Losoul sein Label Another Picture, auf dem seit 2014 im Jahrestakt durchschnittlich kaum mehr als ein Release erschien, zuletzt in eigener Sache vornehmlich dazu genutzt hat, seine einst auf Playhouse releasten Hits wie „Open Door” und „Synchro” wieder zu veröffentlichen, legt der in Köln geborene Producer mit der Placeless EP zwei neue Tracks vor. Auch wenn in „Movespeak” nach langer Anlaufzeit schließlich ein paar dahin gemurmelte Vocalsamples auftauchen, könnte man glatt vergessen, dass seit 1996 mehr als zwei Jahrzehnte ins Land gegangen sind. Bemerkenswert, mit welcher Konsequenz Kremeier an seinen production values festhält: Die beiden epischen Tracks basieren auf Minimal-House-Loops, die auf das Nötigste reduziert zu sein scheinen und hinter ihrer nackt wirkenden Fassade doch ein klandestines Leben voller kleiner, mikrodynamischer Elemente entwickeln. Das Understatement in Person: funky wie gehabt, spartanischer denn je. Harry Schmidt

Qnete – Pasting Pieces (777 Recordings)

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Vier Tracks bunt gemischter Leftfield-House-Musik bietet uns das Leipziger Wunderkind Qnete. Der Eröffnungstrack verwöhnt mit – der Titel „Everything Was Acid” lässt’s erahnen – geschmeidigen 303-Sequenzen, „Slender (Casio Mix)” hintendran mit IDM-versüßten Electro der relaxten Art. Das war alles schon nicht schlecht, eigentlich aber nur Vorgeplänkel, folgt mit „Skin On Skin” doch der Höhepunkt der EP: Beginnt wie eine verspielte Version von Jeff Mills, bevor er im weiteren Verlauf dann in ein Breakbeat-House-Monster mutiert. Großartig. „Missing Pieces” entlässt den zufriedenen Hörer dann ein ums andere Mal mit entspanntem After-Hour-Electro. Tim Lorenz

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