DJ Richard – Eraser (Flexxseal)

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DJ Richard stammt aus der Noise-Szene in Providence, nordöstlich von New York. In der Metropole an der amerikanischen Ostküste gründete er 2012 mit Quinn Taylor alias Young Male das Label White Material, auf dem er im selben Jahr seine ersten EPs veröffentlichte. Nach zwei Alben kommt mit Eraser jetzt seine dritte EP. Waren seine ersten Platten noch eher im ruhigen Ambient Techno verortet, beginnt die neue EP mit „Critical Damage” roh und hart, mit Synths wie in einem 1980s Horrorfilm-Soundtrack von John Carpenter, bloß ohne lustig zu sein, mit mehr Wumms. Endzeitstimmung zum Feiern. „Casca’s Theme” überzeugt neben dem wahnsinnigen, hämmernden Snare-Sound mit einem Chor, der einem die Haare zu Berge stehen lässt. Das Titelstück ist ein generischer Industrial-Techno Track, schön produziert. Es wummst wieder und das ist gut. „His Threshing Floor” ist eine noisige, sehr langsame IDM-Nummer, die zugleich als Grundlage für eine Hip Hop-Nummer dienen könnte, ähnlich einer Nummer von Dälek. Die EP macht Spaß, denn DJ Richards Sound, bei dem er aus diversen Ecken Einflüsse zu einem organischen Ganzen verarbeitet, klingt originell und ist gekonnt produziert. Techno goes Punk, von Detroit zurück nach Providence, harmonisch und zerrüttet. Wunderbar also. Lutz Vössing

M.S.L. – 2020 EP (Clone Dub Series)

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DUB, ursprünglich Djak-Up-Bitch, ist die erste der inzwischen unzähligen Töchter des Rotterdamer Labels Clone. Speziell mit dem IDM-Act Funckarma hatte DUB schon in den späten Neunzigern ein heißes Eisen im Feuer. Zeitweise war es um DUB dann etwas ruhiger, doch in den letzten Jahren musste man das Label wieder ganz genau im Blick behalten, da gab’s irre gute Platten, zum Beispiel von Versalife, Joey Kendrick oder zuletzt Ryan James Ford. M.S.L. nennen sich nun zwei Newcomer aus Montreal, zu ihrer neuen EP 2020 kann man den beiden nur gratulieren. Der Titeltrack kombiniert einen Think-Breakbeat mit feingliedrigem Electro. Überhaupt ist Electro hier das bestimmende Thema. „Stormtech” geht es dabei düsterer an, da braut sich dräuend was zusammen, eine freundliche, kleine Melodie bleept aber auch hier. Weiter geht es auf der B-Seite mit „Sundials”, Mr. Fingers trifft auf Electro Funk. Das Beste kommt aber zu Schluss: „Riviere Rouge” gleitet zunächst auf einem Electro-Beat sanft dahin, nickt dabei „Acid Eiffel” freundlich zu, plötzlich drängt sich eine gerade Bassdrum in den Mittelpunkt. Toller Schlusspunkt einer außergewöhnlich guten Platte. Holger Klein

TH – PDWL001 (Peach Discs)

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Hier wird mal wieder ein wenig Geheimiskrämerei betrieben. Den Auftakt der neuen White Label-Serie von Peach Discs macht TH, ein Produzent, der seine Identität nicht preisgeben will. Es geht auf dieser Platte um House-Musik, das wird bereits nach wenigen Takten auf der A-Seite klar gestellt, und zwar mit dem house music-Sample schlechthin. Es rappelt ein Beat, der halb Jacktrack-Hektik und halb hüftkreisende Lässigkeit verbreitet. Ganz groß. Ein schwirrender Sause-Sound baut Suspense auf, die nie aufgelöst wird. Am Ende lassen wir uns bereitwillig ganz weit hinausschießen. Noch toller ist eigentlich das Beat-Tool auf der B-Seite, das mit weiteren Chicago-House-Samples gespickt ist, die Drums treiben es hier dank beherztem Effekteinsatz noch wilder als auf der A-Seite. Holger Klein

Theus Mago – Osla EP (Correspondant)

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Die Osla EP des mexikanischen Producers Mateo González alias Theus Mago überzeugt auf ganzer Länge: Alle vier Tracks adressieren den Dancefloor auf ziemlich unmittelbare, umstandslose Art und Weise, ohne jedoch allzu plump oder platt zu klingen. In ihrer Mixtur aus darkem Big Room-Techno, Industrial-Sounds, Acid und Synthwave-Feel wirken sie wie ein Update des Electroclashs der Nullerjahre, wodurch sie auch eine Antithese zum Minimal Techno dieser Zeit bilden. Bei „Zango Zango” macht González gemeinsame Sache mit seinem argentinischen Kollegen Tomas Rodriguez alias Thomass Jackson. Zudem bringt der Mexikaner mit Tribal-Elementen mittelamerikanisches Flair ins Spiel, was für Gegenwärtigkeit jenseits der Referenzen sorgt. Harry Schmidt

Wun – Torus (Jelly Bean Farm)

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Das in LA ansässige Label Jelly Bean Farm könnte auch aus dem Großraum London stammen – so klingt zumindest der Output, den eine Mischung aus UK-Crossover-Tracks zwischen Techno, Dubstep und Grime ausmacht. Die mittlerweile elfte EP kommt vom Briten Wun, der auf sechs Tracks mit reichlich Ideen herumspielt. Er nutzt dabei sowohl synkopierte als auch polyrhythmische Percussion und Bass-Gebilde, die an Swamp81 oder an Hops und Orson erinnern. Leider klingt ein Großteil der EP nach unfertigen Ansätzen, nach Malen nach Zahlen, nach Blaupausen-UK Bass, der es nicht schafft, eigene Akzente zu setzen. So sind „Torus”, „Acrolein” und „Patience” zwar gute Beispiele in typischem Londoner Sounddesign, als eigenständigen Stücken fehlt es ihnen allerdings an Momentum und Persönlichkeit. Lediglich die atmosphärischen Beiträge „What‘s The Point” und „Render” schaffen es, im Gedächtnis zu bleiben. Während das kalte Techno-Brett „Cobalt” wieder den Vorbildern von Pinch oder Hodge nachzueifern scheint, ohne aber an deren Qualität heranzureichen. Leopold Hutter