5Baby Ford – One For Sorrow (Background Classic)


Andy Vaz haut einen alten Background-Klassiker von 2001 raus. Baby Ford. “One For Sorrow”. Heiß begehrter Discogs-Schlager bei tiefschürfenden Minimal-Jägern. Nix für Laptopboxen oder Mobiltelefon. Entweder gute Kopfhörer oder Nachbarschaftsanfeindung. Minimaler 808-Zauber, der aufsaugt und mit seiner lässig stumpfen Reduziertheit die Sinne verdreht. Der Titeltrack fesselt mit einem magisch geloopten Vocalsample, das an einen anderen Baby Ford Klassiker erinnert, an das mit Thomas Melchior produzierte „Check Your Buddha“, ebenfalls von 2001. Dazu düsteres 808-Bassdrumtropfen. Es schaudert leicht, und dennoch durchdringt pure Wärme den Körper. Der B1-Tune „Rainstorm“ betört mit einem Industrial-Rauschschleier und B-2, „Woody“, ist einfach nur genial meditative Baby-Ford-Magie. Wer denkt Minimal ist Mottenkiste, der sollte mal in dessen Anfänge reinhören und sich von diesen – wie Debug Mastermind-Autor Bleed einst schrieb – „flüsternd deepen Baby Ford Sounds“ eines Besseren belehren lassen. Michael Leuffen

4Efdemin – Wrong Movements (Stroboscopic Artefacts Totem 003)


Die zum Stroboscopic Artefacts Universum gehörende Totem-Serie hat es sich zum Ziel gesetzt, die Relationen zwischen Raum, Zeit und Techno mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Zum abstrakten Ansatz passt auch das gewählte Format. Um die Einzigartigkeit der Releases zu verdeutlichen, wird ausschließlich auf durchsichtiges 10″ Vinyl gepresst. In ihrer dritten Edition präsentiert Label-Boss Lucy mit Wrong Movements von Efdemin nun eine aufregende Fusion zeitgenössischer Clubmusikstrukturen, gepaart mit experimentell angehauchter Klangarchitektur. Mit schwungvollen 130 beats per minute schlagen die Tracks „Circles“ und „Left“ eine Brücke zwischen Kunst und Funktionalität. Passend zum Titel tanzt man bei „Circles“, getrieben durch lebendige und enthusiastische, perkussive Elemente, stakkatoartige Synth-Lines und einer mysteriösen heruntergepitchten Stimme, fröhlich im Kreis. Diese Leichtigkeit geht auch beim zweiten Track nicht verloren, wird jedoch mit einer pulsierenden, atmenden Melodie unterlegt, die dem Stück eine angenehme Tiefgründigkeit verleiht. Das Finale dieser EP, „Right“, kommt dann ganz ohne Kickdrum aus und rundet als ambient-esques Gebilde eine überaus kohärente Veröffentlichung ab. Andreas Cevatli

3Oscar Mulero – Out of Field (Pole)


Nach seinen letzten Kollabo-EPs mit Kollegen Exium und Reeko klingt die jüngste Platte von Oscar Mulero auf dem eigenen Pole Group-Label wieder ganz nach dem ungestümen Spanier, der sich keine Grenzen setzt und der Hardware wieder alles abverlangt. Ohne Verschnaufpause oder Geplänkel werden vier verschiedene Themen abgerissen: vom aggressiven Acid-Ansturm, dem nicht mal sein eigener, asynchroner Rhythmus standhalten zu können scheint, hinüber zum hypnotisch pulsierenden Titeltrack, der trotz spärlich gewählter Elemente in seinen Bann zu schlagen weiß. Dann weitere Acid-Gewitter auf der B-Seite, doch hier steckt der Teufel im Detail, denn lediglich feine Umschichtungen geben dem sonst stoisch wirkenden Track seine Lebenslinie. Zum Abschluss gibt‘s nochmal Mulero in Bestform, der einen durch perfekte Balance von kleinteilig modulierten Synths und unnachgiebig anschiebenden Stabs tief in den Sog seines kontrolliert an- und abschwellenden Grooves hineinzieht. Leopold Hutter

2Pistol Pete – Orphan EP (Idle Handes)


Allzu viel gibt Peter Eriksson, der sich als Producer Pistol Pete nennt, nicht von sich preis. Mit dem Stockholmer Spektakulära Zusammenhang verbandelt, scheint Musik sein drittes Standbein neben Mode und Gastronomie zu sein. Die Zahl seiner bisherigen Releases ist überschaubar, erschienen sind sie vorwiegend auf kleinen schwedischen Labels wie Woodsmen & Lady Log oder Svedjebruk. Deephouse und sonst gar nichts ist auf den drei Tracks seiner „Orphan EP“ für Idle Hands zu hören. An Vielseitigkeitsdemonstrationen scheint Pistol Pete kein Interesse zu haben. Ohne bewusst übermäßig nostalgisch klingen zu wollen, knüpft der junge Schwede an dem Spätneunziger-Vibe von Acts wie St Germain an. Sein HipHop-Background offenbart sich hier eher indirekt im Umgang mit den Vocalsamples. Weniger abgedreht als Pépé Bradock, nicht ganz so mutwillig zugespitzt wie die Tracks der Detroit-Schule (Moodymann, Theo Parrish, you name it), drehen „Orphan“, „Lundgatan“ und „Esqpads“ soulful, orgelgetragen, unaufhaltsam und hypnotisch eine Extrarunde nach der anderen. Bemerkenswert unaufgeregter Einstand auf der großen Bühne. Cooles Understatement führt zur Aufwertung. Harry Schmidt

1SJ Tequilla – Moving In And Out EP (Bright Sounds)


Der in Japan geborene, in Berlin lebende DJ und Producer SJ Tequilla hat bereits auf seinem eigenen Label Shot Of T und DJ Fett Burgers Freakout Cult veröffentlicht, seine „Moving In And Out EP“ für Bright Sounds bringt drei neue Originale und einen Remix von Stefan Wust alias SW. „Untitled 130_M41“ besticht auf Anhieb mit seinen knusprig-trocken und live gejammt klingenden Drums, was der Disposition im Approach, dem darin sich äußernden Acid-Neoklassizismus, zu einem frischeren Look and Feel verhilft. Auch die beiden Tracks der B-Seite House offenbaren mit sphärischen Synthie-Flächen, -Nebeln und -Wolken neben Fingerspitzengefühl in der Sound- und Groovegestaltung eine sensible und emotionale Handschrift des Producers, der auch regelmäßig Abende im Kreuzberger Club Ohm gestaltet. Wust arbeitet in seinem Remix von „Untitled 119_K2“ das akusmatische Moment heraus und erhält damit einen Weichentrack, um in einem Set von tribalem Minimaltechno ins Housige überzusetzen. Ausgesprochen gelungen sind alle Tracks hier. Harry Schmidt