Zurück zu deinem neuen Album. Melodien scheinen darauf präsenter zu sein als in früheren Arbeiten von dir. Ich hatte den Eindruck, dass ich ihnen leichter folgen konnte.
Ich wollte einen Rhythmus eines Zusammenpralls erzeugen, indem ähnliche kleine Phrasen immer und immer wieder wiederholt werden. Es gibt Teile des Albums, in denen es dieses merkwürdige, angespannte Gefühl zwischen brachialer Intensität und gebannter Ruhe eintritt.

Wie hast du das Leitmotiv der im Ozean treibenden Mikroplastik-Massen in Sound umgesetzt?
Das ist eine schwere Frage. Ich beginne mit Zielsetzungen, mit bestimmten Parametern und gebe dann einfach mein Bestes, sie zu erfüllen. Die Antwort auf die Frage ist wohl: hundert Tage im Studio und eine Reihe von Abertausenden kleinen Entscheidungen. Die Frage, ob ich das erreicht habe, was ich im Kopf hatte, stellt sich jetzt, wo das Album seit knapp einem Jahr fertig ist. Vielleicht. Es klingt und fühlt sich so an, wie ich es gehofft habe.

Du produzierst nicht nur Musik und legst auf, sondern hast auch eine regelmäßige, nach deinem Label „Halocline Trance“ benannte Radiosendung auf NTS. Im ersten Teil der Dezember-Ausgabe hat die Autorin und Wissenschaftlerin Christina Sharpe aus ihrem Buch In The Wake. On Blackness and Being gelesen. Darin schreibt sie über persönliche Erfahrungen, transatlantische Sklaverei und die Verbindungen dazwischen. Im Begleittext zum letzten Album deines Projekts Ceramic TL heißt es, dass es darin um ökologische Zerstörung, was gewissermaßen auch bei Pure, Beyond Reproach eine Rolle spielt. In deinen Arbeiten werden also immer wieder gesellschaftliche und politische Fragen angerissen. Würdest du sagen, sie ist politisch?
Ich denke ja. Ich meine, dass sich meine Auffassung und die Betonung von Ambiguität verändert. Seit fast sechs oder sieben Jahren mache ich jetzt Musik als Vollzeitjob und wie bei jedem anderen Menschen haben sich bestimmte Ideen verändert – sicherlich auch als Reaktion auf das, was auf der Welt passiert. Ich glaube, ich möchte weniger uneindeutig in meiner Arbeit sein, je mehr ich als Künstler wachse und in Angesicht dessen, wohin sich die Welt entwickelt. Trotzdem fühle ich mich immer noch nicht danach, mit meiner Arbeit belehren oder etwas predigen zu wollen. Aber ich denke, dass es für mich wichtig ist, dass es diese Details, diese Elemente gibt, in denen spezifische Themen zu sehen sind. Im Großen und Ganzen gibt es in meiner Arbeit aber immer noch viel Abstraktion, viel Raum für individuelle Interpretationen. Christina ist eine großartige Künstlerin. Gerade dieses Buch kippt auf brillante Art zwischen spezifischen, globalen, persönlichen, historischen und autobiografischen Aspekten hin und her. Auch die konzeptuellen Ideen, die etwas verschwommen sind, finde ich beeindruckend: Diese lange, ausgedehnte Metapher über den Sog des Schiffes [auf Englisch: wake], die Middle Passage [Begriff für den Weg, auf dem Sklav*innen vom afrikanischen Kontinent nach Nord-, Mittel- und Südamerika verschleppt wurden] oder wie sie die Kontinuitäten aufzeigt, die sich über mehrere Jahrhunderte erstrecken. Mich inspirieren sowohl die spezifischen Dinge, die sie sagt als auch wie sie es sagt – was wiederum konkret und gleichzeitig abstrakt ist. Es handelt sich dabei nicht nur um ein literarisches oder musikalisches Mittel, um diese beiden Aspekte zu kreisen. Es liegt mir viel an dem, was ich sagen will, aber es gibt immer auch eine Spur an Verwirrung. Ich verarbeite immer noch viel Persönliches oder auch Entwicklungen, die die Umwelt betreffen, wie bei den letzten Alben. Vielleicht ist es manchmal unehrlich, als Künstler*innen so entschieden darin zu sein, dass das, was sie sagen, endgültig ist. Zumindest empfinde ich so. Ich möchte, dass diese Art von Unsicherheit, die in mir besteht, auf ehrliche Weise in meiner Arbeit sichtbar ist.