Wo ist die Eins, diese Frage stellt sich nicht die ganze Zeit auf Estoile Naiant, dem zweiten Album des Warp-Neuzugangs Patten. Ein entscheidender Parameter kommt mit der Suche nach dem Beginn des Zählens jedoch durchaus ins Spiel. Bereits im Intro verwischt Patten die klaren Strukturen und setzt eine 8/8-Bassdrum gegen Wölkchen im Echo. Jede einsetzende Spur beginnt im Off der bereits pulsierenden Ebenen, und so webt Patten ganz allmählich ein weiches Netz. Komplex gemacht ist Estoile Naiant im Ganzen. Dennoch stellen die Tracks keine Herausforderung für das Hören da. Obwohl die Zentralperspektive fehlt, entsteht hier etwas Ganzes. „Winter Strobing“ zieht als Schlitten durch die Landschaft aus Kugeln und Wölbungen, die es sich selbst schafft. „Softer“ setzt auf BoomBaps für die schneidende Beat-Programmierung, während der Beat auf „Pathways“ stolpert. Die Lücken bleiben jedoch nicht leer, sie füllen sich mit Tropfen aus Klang wie Tümpel mit Regenwasser. Diese Immersion führt Pattens EP Eolian Instate fort und bedeutet ein Baden im warmen Wasser.
Video: Patten – Winter Strobing