Gonzales ist vielleicht gar kein Musiker, oder Musik ist ihm relativ egal. Seine Fernsehauftritte waren jedenfalls immer besser als seine Alben. Das unterscheidet ihn von Helge Schnepoper. Gonzales’ selbstreferentielles Musik-Entertainment benötigt Formen, in die es sich füllen kann, Produzenten, die selbst Musiker sind und Gonzales’ Selbstdarstellungen genießbar machen wie Alex Ridha (Boys Noize) beim Vorgänger Ivory Tower. Auf Youtube wurde das Video zur Single „You Can Dance“ mehr als eine halbe Million mal geklickt – und wegen des humoresken aber grafisch komplett harmlosen Sexismus’ geflagged. Früher gab es dafür VIVA 2 und Charlotte Roche und eine kritisch-passive Öffentlichkeit zu Hause am Fernseher, die angenehm unterhalten chillen durfte. Was für ein irrer Luxus. Heute gibt es nur noch Theater oder Internet, totales Soziales in Parkett, Rang und Backstage oder endgültige Entmaterialisierung in Comments, Likes und Pornolinks. Doch die Show muss offensichtlich weitergehen, The Unspeakable Chilly Gonzales erscheint als ironisch pessimistisches Battlerap-Album mit Orchesterbegleitung, die sein Bruder, der Hollywood-Komponist Christophe Beck (unter anderem Buffy, American Pie 3, Burlesque) für Gonzales komponiert hat. White-Rap-Ikone Eminem ist immer noch ein Vorbild für die Reimschemata, und The Unspeakable Chilly Gonzales hätte auch ein gutes Album werden können, wenn es von Dr. Dre produziert worden wäre. Gonzales weiß das. „Shut up and play the piano“: Genau, nächstes Mal lieber wieder was wie Erik Satie.