Musikdokumentationen folgen meist dem gleichen Muster: Beteiligte werden interviewt, das Ganze thematisch in Kapitel unterteilt, die dann in eine zeitliche Abfolge gebracht werden, nachdem ein Anfang und ein Ende der zu erzählenden Geschichte bestimmt wurde. <i>135 Grand Street, New York 1979</i> ist anders, was sicherlich auch dem Entstehungskoncontent:encoded geschuldet ist: Die Filmemacherin Ericka Beckmann war Teil der dokumentierten New Yorker Nowave-Bewegung und eine der wenigen, die diese spezielle Kunst- und Musikszene überhaupt filmte. Ursprünglich hatte sie damals allerdings gar keine Dokumentation im Sinn und lagerte die Super-8-Rollen erstmal ein.<br/><br/>

30 Jahre später kann man Bands und Musiker wie Theoretical Girls, Rhys Chatham, Youth In Asia oder Morales bei Auftritten im Loft 135 Grand Street beobachten. Der Film erklärt jedoch zu keinem Zeitpunkt, was wir sehen – das muss der Zuschauer selber erahnen, erhören und erschauen. Nach herkömmlichen Gesichtspunkten passiert nicht viel, die Kamera bleibt ebenfalls oft unbeweglich. Aber das macht gerade die Faszination aus: Die hier gespielte Musik ist experimentell, also offen in der Hinsicht, dass sämtliche Stile, Epochen und Geräusche möglich sind. Nur zwei Grundbedingungen scheint es zu geben: Musik und Kunst zu verbinden und mit einer klassischen Bandformation die Rockklischees zu umschiffen. Nach und nach entsteht aus der Kluft zwischen damals und heute Musikgeschichte, Musikergeschichten offenbaren sich, und die Nowaver stehen da und probieren ihre Lieder.

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