Auch in der verflixten Kalenderwoche 13 sind wir mit unseren Office Charts einen Tag zu spät dran und müssen uns wohl endgültig auf Entschuldigungen zurückziehen: Die Produktion der Groove 166, das Wetter, die Zeitumstellung und überhaupt. Womit wir allerdings aufwarten können, das ist der perfekte Soundtrack für den milden Sonnenschein, der uns mittlerweile erreicht. Mit einem Reissue von Midori Takadas bahnbrechendem Debütalbum, soften Grooves von Project Pablo (auf: Spring Theory, natürlich!) nehmen wir Anlauf und landen mit neuen Cuts von Privacy, Move D und Reagenz und nicht zuletzt einer Rave-Überraschung von Henrik Schwarz auf dem Dancefloor der Tatsachen. Geht doch!

5. Midori Takada – Through The Looking Glass (WRWTFWW)

Zum Wochenanfang setzen wir erst einmal auf Entschleunigung. Die japanische Perkussionistin Midori Takada veröffentlichte 1983 mit Through The Looking Glass ein fantastisches Debütalbum, das nun glücklicherweise auf We Release Whatever The Fuck We Want wiederveröffentlicht wurde. Takada, die in den vergangenen 30 Jahren hauptsächlich Theatermusik komponiert hat, verband auf Through The Looking Glass traditionelle japanische Musik, Marimbaspiel, Minimal Music und softe Ambientklänge. Es ist eine kontemplative Musik, in der selbstverständlichen Mischung der Genres einzigartig und auch heute noch ein absoluter Hörgenuss.

4. Project Pablo – Scented Trip (Spring Theory)

Es bleibt erst einmal im untertourigen Bereich. Project Pablo ist das Deephouse-Projekt des kanadischen Produzenten Patrick Holland. Bisher hat er seine Musik auf Labels wie 1080p, Sounds Of Beaubien Ouest oder Royal Oak veröffentlicht, seine neue Scented Trip-EP erscheint nun auf dem kalifornischen Label Spring Theory. Die zwei A-Seiten Tracks „Morning Spring“ und „Forgetful Dance“ sind zwei komplett okaye, aber auch etwas unauffällige Nummern. Perkussive Aufwärm- oder Runterkomm-Tools mit klassischen Deephouse-Synthpads inklusive Saxophonsolo. Pointierter sind die zwei B-Seitentracks „Jup Jup“ und „Smudge“ ausgefallen. Ersterer ist technoider und lässt eine erinnerungswürdige Bassline freidrehen, dass es nur so eine Freude ist.

3. Privacy – Zero Value (Klakson)

Wer hinter Privacy steckt, verrät das Internet einem nicht – nur dass es sich um einen in Berlin lebenden Produzenten handelt. Bisher hat er oder sie auf Labels wie Lobster Theremin, Klasse Wrecks und Valcrond Video veröffentlicht, „Zero Value“ erscheint nun auf dem von Steffi und Dexter betreibene Klakson. Und da passt er mit seinem geschichtsbewussten Electro-Sound auch perfekt hin. Die vier Tracks auf „Zero Value“ erkunden dabei unterschiedliche Facetten von Electro: Einflüsse des verspielten frühen Rephlex-Braindance sind ebenso zu hören wie – na klar – düstere Drexciya-Verweise und eine Prise Italo Disco. Klassisch und gut.

2. Move D / Reagenz – Roll Split (Away)

Nach Maxis mit Remixen von Joe Claussell und Mr. Ties für das Away Soundsystem und unter anderem einer EP von Christian Vance kommt nun eine Maxi mit zwei neuen Tracks von Move D (eines davon zusammen mit Jonah Sharp als Reagenz) auf Away. Einen guten Geschmack kann man dem Berliner Label-Kollektiv also bescheinigen. Beide Tracks sind absolut gelungen. Move Ds „Roll Split“ ist ein für Moufangs Verhältnisse deutlich technoider Track, der extrem konzentriert die Spannungsschraube immer weiter anzieht. Mit Jonah Sharp geht es nicht ganz so Dancefloor-fixiert zur Sache, hier kreiseln nebelverhangene Orgelklänge über eine immer wieder aussetzende Bassdrum und einige wenige, dafür sorgfältig ausformulierte Sounds. Sehr hypnotisch, fesselnd und abseits totgerittener Formeln.

1. Henrik Schwarz – Not Also You (Running Back)

Henrik Schwarz mag sich in den vergangenen Jahren hauptsächlich mit Jazz, Klassischer Musik und Musik aus Afrika beschäftigt haben, das Raven hat er aber scheinbar nicht verlernt. Das legt zumindest seine neue Maxi für Running Back nahe, seine erste Solo-Veröffentlichung seit 2013. „Not Also You“ ist geradezu schockierend technoid und hittig ausgefallen. An die dissonante Bassline, die Schwarz hier als Rave-Signal in den Vordergrund stellt, dürfte sich in den nächsten Monaten jeder erinnern können, so direkt und effizient schießt sie ins Blut der Tänzer. Wem die Spoken Word-Vocals zu hysterisch sind, greift dann eher zu der Dub-Version „Not You Also“.