THE BLACK DOG Groove Podcast 45

Die Geschichte von The Black Dog ist untrennbar mit Sheffield verbunden, jener ehemaligen Stahlstadt im Norden Englands, die auch Warp Records hervorbrachte und die seit dem Zusammenbruch der britischen Schwerindustrie in den siebziger und achtziger Jahre mit den Folgen des Strukturwandels zu kämpfen hat. Während Warp im Jahr 2000 nach London umzog, sind The Black Dog ihrer Heimatstadt stets treu geblieben. Das heute aus dem Gründungsmitglied Ken Downie und den Brüdern Martin und Richard Dust bestehende Projekt hat in 26 Jahren Bandgeschichte mehrere Transformationen durchgemacht. Zu Beginn bestand es – unter dem Namen Black Dog Productions – aus Downie sowie Ed Handley und Andy Turner, die sich Ende der Neunziger auf ihre Arbeit als Plaid konzentrierten. Das erste Black Dog Productions-Album Bytes erschien 1993 bei Warp und gilt neben Platten von Autechre und Polygon Window (Aphex Twin) als eines der zentralen Werke der Artificial Intelligence-Reihe des Labels. Eine Jury aus Musikern und Journalisten wählte es vor zwei Jahren auf die Groove-Liste der 50 besten elektronischen Alben des letzten Vierteljahrhunderts. Nach der Trennung von Handley und Turner suchte sich Downie bald neue Mitstreiter, um The Black Dog nach eigenen Angaben als interdisziplinäres Künstlerkollektiv im Sinn von Andy Warhols Factory weiterzuführen. Nach wechselnden Kollaborationen bilden er und die Dust-Brüder seit 14 Jahren den festen Kern des Projekts.

Dass The Black Dog auch heute noch Relevanz besitzen, verdanken sie einerseits dem Willen zur ständigen Neuerfindung und ihrer musikalischen Experimentierfreudigkeit. Andererseits verstehen sich The Black Dog auch als politische Künstler, die einen Einfluss auf ihr soziales Umfeld nehmen wollen. So gründeten sie zum 2013 die Firma Machinewerks, um einen selbst entwickelten Controller für Live- und DJ-Auftritte zu produzieren. Mit der Herstellung des Geräts in Sheffield will das Trio bewusst ein Zeichen zur Wiederbelebung der industriellen Produktion in der Region setzen. Auch ihr neues Album Neither/Neither, das Mitte August erscheint, sehen The Black Dog als politisches Statement, mit dem sie unter anderem gegen die Überwachung digitaler Medien durch Staaten und Unternehmen aufbegehren. „[Wir] alle sollen in einem mentalen Zustand des Weder/Noch (Neither/Neither), der Ungewissheit und Untätigkeit verharren“, schreiben sie in dem begleitenden Manifest zur Platte. Vor diesem Hintergrund soll das Album als „Material der De-Programmierung“ funktionieren. Ihren Podcast, der ursprünglich den Titel „Object/Refuse Mix“ trug, sehen sie im Anschluss daran als den nächsten logischen Schritt: Als Aufruf zur Revolte mit den Mitteln von Techno.

 

Wie geht ihr als Trio an DJ-Mixe heran? Spielt ihr Back-to-back oder übernimmt ein Mitglied das Auflegen für das gesamte Projekt?

Ken Dowie: In gewisser Weise trifft beides zu. Wir alle suchen Stücke aus, und der Mix wird dann entweder von Richard oder Martin gemacht, weil die beiden das Auflegen viel mehr lieben als als ich. Aber wir sind alle an dem Prozess beteiligt und machen Vorschläge. Es passiert nicht selten, dass 50 Tracks zusammenkommen, aus denen dann ausgewählt werden muss.

Wo und wie habt ihr diesen Mix aufgenommen?

Martin Dust: In einem leeren Raum in einem Fabrikgebäude in Sheffield. Wir sind gerade in neue Räumlichkeiten umgezogen und haben jede Menge Platz, um Lärm zu machen. Dort können wir auch auf Clublautstärke mixen!

Richard Dust: Jetzt fühlt es sich für uns viel mehr an, als ob wir in einem Club auflegen würden. Das verleiht dem Mix ein ganz anderes Feeling, als wenn wir ihn bei normaler Studiolautstärke aufnehmen würden.

Der Podcast hatte ursprünglich den Titel „Object/Refuse Mix“. Was wolltet ihr mit diesem Titel sagen und wie hat er die Auswahl der Tracks beeinflusst?

Martin Dust: Ich habe mich über etwas sehr geärgert und habe mich gefragt, warum die Leute die Dinge einfach so akzeptieren, wie sie sind. Warum handeln sie nicht nach dem Motto „Object/Refuse (dt.: Widersprechen/Verweigern)“? Wo bleibt der Aufrschrei der Menschen? Ich wundere immer noch, wie wütend ich über bestimmte Dinge werden kann. Vielleicht sollte ich Surgeon davon überzeugen, mir ein wenig Yoga beizubringen!

Die Schreibeweise von „Object/Refuse“ nimmt auch Bezug auf den Titel eures neuen Albums „Neither/Neither“. In welcher Beziehung stehen die beiden zueinander? Seht ihr den Mix als Ergänzung zum Album?

Martin Dust: Ja, der Titel des Mixes steht mit dem Album in Verbindung, aber er nimmt einen anderen Bezug. Es handelt sich weniger um eine bedeutungsvolle Fragestellung [wie bei „Neither/Neither“, d. Red.], als um eine Art Befehl an unsere Proletarierkollegen. Ich sehe den Mix nicht als Ergänzungsstück zum Album, sondern eher als sein Problemkind.

Richard Dust: Außerdem bringt das Arbeiten mit der Musik anderer Leute einen anderen Klang und Stil in den Mix mit ein. Das ermöglicht es uns eine Tonalität zu entwickeln, wie sie für das Album nie gedacht war.

 


 

Download (MP3, 320 kBit/s, 60:53 Min., 139 MB)

01. Weber – Skit – Holger Records
02. 30 Drop – Lost Parallel 33 – 30 Drop
03. randomDisco – Pyramid Head – Tribal Waves
04. Guido Schneider & Jens Bond – If You (Konrad Black’s Rock Dust Remix) – AmAm
05. Roberto Clementi – Front – Soma
06. Marc Baker – The System – Kippschalter
07. Ritzi Lee – Earth – Tortured Records
08. Dave Tarrida – Grief – Autofake
09. Manni Dee – Pascal’s Gambit – Leyla
10. Echologist – Transformer – Mord
11. Niereich – Sq#3 Black Spider – nonlinear systems
12. The Black Dog – Commodification (South Sea Bubble Mix) – Dust Science
13. Rekord 61 – Iskra – Konstruktiv
14. Duct – Love Without Forgiveness (Manni Dee Without Love Remix) – Shades Recordings
15. Ritzi Lee – Fire (Paul Mac Remix) – Tortured Records
16. Simon Baker – Ebony – Simon Baker presents BKR Projekt