Gegen die Genetik als neue Leitwissenschaft gibt es ja einige Vorbehalte. Daran ändert auch das Debütalbum des Briten Max Cooper erst einmal nichts. Der promovierte Genetiker zeigt dafür aber, dass man als seriöser Forscher durchaus – nebenbei sozusagen – ernstzunehmende Beiträge zur elektronischen Musik liefern kann. Da Cooper an der Universität vor allem Computersimulationen entwickelt hat, ist die Verbindung dieser beiden Welten sogar halbwegs naheliegend, irgendwie fragt man sich aber, wie er das mit seinen nicht gerade wenigen EPs und seiner Arbeit als DJ in den vergangenen Jahren alles so weggesteckt hat. Human zeigt Cooper als selbstbewussten Außenseiter, der sich seine eigenen Bahnen zwischen Techno, House und IDM schafft. Fast schizophren wirken seine Kombinationen von klinischer Präzision in den Klängen und großer emotionaler Geste – insbesondere in seiner Zusammenarbeit mit der Sängerin Kathrin deBoer, die dicht am Pop operiert. So als wolle er die unterschiedlichen Facetten menschlicher Existenz alle parallel abbilden, folgt auf abstrakt zerschredderte Bassmusik ein verträumter Ausflug ins beinahe symphonische Fach, wohlgemerkt mit zerhacktem Beatgerüst unter den schwelgerischen Bögen. Einzelnes mag vielleicht ein bisschen dick aufgetragen wirken, als Ganzes erfahren ist Human jedoch ein stimmiges Statement, das schon durch seine souveräne, niemals ins Beliebige abgleitende Vielfalt überzeugt.

 


Stream: MAX COOPERNumb feat. Kathrin deBoer