Die Zeiten eines klassischen Label-Werksounds (oder hier ja eher einer Labelfamilie) gehören definitiv der Vergangenheit an. So öffnet Richie Hawtin sieben Jahre nach der letzten minMax-Ausgabe diesmal das kreative Füllhorn bis zum Anschlag. Egal ob als Doppel-CD mit 27 Stücken, Dreifach-Vinyl oder als 24 Tracks umfassender Download mitsamt der vom kanadisch-berlinerischen DJ Hobozusammengestellten Mix-CD, hier geht es um ein imperatives Ausrufungszeichen der klanglichen Möglichkeiten. Interessanterweise ist dabei die Wiederentdeckung der sinnlichen Visionskraft des Dub Techno ein übergreifendes Thema. Durchaus programmatisch fungiert dabei das nach elf Jahren Funkstille mehr als verblüffende Lebenszeichen von Dale Lawrence alias Theorem. „Formulate“ ist das auf zehn Minuten komprimierte Idealbild des minMax-Kosmos, harmonisch, melancholisch und reduziert auf die Essenzen, vereint sich Theorem über zehn Minuten mit der Tiefe der Sinuswellen und dem weißen Rauschen der Meeresbrandung. Toll! Mathew Jonson zelebriert mit seiner „Metropolis“ dieses maritime Luftholen des Dub mit sehr entspannt pochender Kick, das italienische Duo Dandi & Ugo bleibt ebenfalls im ästhetischen System der Tiefe, während Heartthrob dem Dub mit seinem „Y2K2U“ naturgemäß mehr motorischen Impuls zu entlocken versteht. Mit den offenen Detroit-Strings-Assoziationen von Mitsua Nakazoto („Drive“), deep-jazzigen Acidmodulationen der Tripmastaz („Tyree“) oder dem modern vocallastigen Minihouse von Justin James bietet minMax eine denkbar weit gesteckte Reise über den Horizont.