Wo sind sie hin, die alten Deep-House-Headz? Hier ist einer davon. Jamie Odell blickt nach über 20 Jahren im Business und 16 Jahre nach seinem Debüt mal kurz hinter seinen Turntables auf und muss wohl feststellen, dass viele seiner ehemaligen Mitstreiter länger nicht mehr in der ersten Reihe tanzen, eher am Buffet schlawänzeln. Von Charles Webster, Modaji oder Phil Asher hört man fast gar nichts mehr, von Atjazz vereinzelt, und über den Rest lässt die ein oder andere 12-Inch vermuten, dass da noch produziert wird. An das Albumformat traut sich kaum noch jemand. Porchlight & Rockingchairs bildet da die berühmte Ausnahme, auf dem alten Flagschiff Freerange veröffentlicht, die 2013 vermutlich die 200. Release-Marke knacken werden und somit das britische Pendant zum Münchener Compost-Marathon bilden. Läuft länger als ein Duracell-Kaninchen. Fast gänzlich ohne Fremdbeteiligung, die Vocals von Jonatan Bäckelie und Jinadu mal ausgenommen, wurden seine auf Flughäfen und in Wartehallen verbrachte Lebenszeit in Tracks geformt, die später vom Laptop in Studio-Equipment gegossen wurden. Deep ist das Ganze, ein paar Handclaps hier, ein paar Handclaps dort, introspektiv, nichts für die Peaktime produziert. Warum sollte Odell auch solche Formate bedienen, er braucht nicht mehr zu beweisen, dass er die Crowd auch zum Ausflippen bringen kann.

 


Stream: JimpsterRollergirl/Hold My Hand