Auf zumindest drei Tracks der neuen Pop Ambient-Ausgabe wird die Verwandschaft zum spirituellen Ableger des Minimalismus deutlich. Jens Uwe Beyer steuert einen Track bei, der den holy minimalism auf seine Essenz reduziert: eine ominöse One-Chord-Orgel in Nebelschwaden klingt wie John Taverner ohne den Kitsch. Anton Kubikov beginnt mit Meeresrauschen, über das er ein eingängiges Piano-Thema legt, das elektronisch verfremdet so insistierend nachhallt, dass man es mit der Angst zu tun bekommt. Und Marsen Jules lässt den Gott, den diese Spielart des Minimalismus besingt, tatsächlich donnern. Ein in all seiner Dramatik unheimliches Stück Musik. Überhaupt ist die Pop Ambient-Reihe nicht mehr das weiche Kissen, in das man sich sinken lässt. Eher kriecht es einem kalt dem Rücken hoch. Das ist auch kein Pop mehr, sondern – wer hätte es gedacht – ein apokalyptisches Statement zur Zeit. Dass diese Reihe in seinem 13. Jahrgang nicht nur der liebgewonnene jährliche Besuch eines vertrauten Sounds ist, dessen feinen Verästelungen und Variationen man gerne nachspürt, sondern sich zu einer zeitgemäßen Relevanz aufschwingt, ist so überraschend wie toll. Auch wenn die Nachrichten, die dieser Besuch überbringt, weniger schön sein mögen.

 


Video: Jens-Uwe BeyerDeutz Air 2