Während alle noch auf Chicago House anno 1987 flashen, dreht Sir Stephen die Uhr ein Stückchen weiter und baut für das demnächst anstehende Neunziger-Revival vor. Nach einer Maxi auf dem Not Not Fun-Sublabel legt der Producer aus New Orleans auch sein Albumdebüt bei 100% Silk vor. Wurde dort noch Inner City und Crystal Waters gehuldigt, widmet er sich mit den acht Tracks auf House Of Regalia der Epoche der frühen Neunziger und emuliert den Moment, als der neue Sound auf britischen Stoppelfeldern und von der US-Army verlassenen Stützpunkten auf dem kontinentaleuropäischen Festland Fuß gefasst und Acts wie Snap!, Technotronic, Black Box oder The Beloved auf den Plan gerufen hat. Unglaublich, wie präzise die Stimmung der Zeit eingefangen, wie genau die Stunde dieses ersten transatlantischen Re-Imports der neuen Erfindungen aus Chicago und Detroit getroffen ist, die ja ihrerseits von importierten Proto-House-Entwürfen wie Italo, EBM und Kraftwerk ausgegangen waren. In Nummern wie „Flavored Beats“ begegnen sich F.P.I. Project, The Nightcrawlers und Deee-Lite, ohne je den unangenehmen Geschmack von Clash oder Bastard-Pop aufkommen zu lassen. Eben das zeichnet dieses hervorragende Album am meisten aus: Sir Stephen serviert keine Coverversionen, Remixe, Edits oder gar Mash-Ups – sondern eine eigene musikalische Vision. House Of Regalia ist ein Pastiche, eine Form der Parodie, deren Imitation ohne ironische, satirische und sarkastische Untertöne auskommt, sondern die Hochachtung vor den Originalen lebt. Kein Augenzwinkern stört die Hingabe – eine Platte, die einem sofort ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern vermag.

 


Video: Sir StephenHypercolour Emulsion (Teaser)