Musik ist ein komplexes Phänomen. Immer wieder muss man sich scheinbar zwischen Herz, Bauch und Kopf entscheiden. Glaubt man, alles erlebt zu haben, prasselt sie auf dich hernieder wie eine Urgewalt und man kann nur atemlos die weiße Fahne schwenken. Ähnlich ist es mit der Liebe. Darüber hinaus braucht jede Liebe, auch wenn sie noch so geheim ist, nach einiger Zeit Anregung, Kreativität und neue Leidenschaft. Das wissen auch Jazzanova. Kurz vor dem fünfzehnjährigen Bestehen hatten sie zudem ihrem Label eine kleine Auszeit gegönnt. Auch Secret Love kommt – neu kuratiert – im sechsten Teil erstaunlich frisch daher. Alex Barck und der neue Partner Adrian Hoenicke (Finger Magazin) haben eine gewohnt eklektische und ungewohnt elektrische Zusammenstellung verwirklicht. Es entsteht die Versuchung, diesen Teil der Reihe als den Besten zu beschreiben. Andere Mitstreiter wurden ob der erstaunlich sanften Wucht der fünfzehn Songs mit auf Wolke Sieben geholt. Die andächtige Beseeltheit des „Valley Of Paradise“ von Psychemagik, die Leichtigkeit im Songwriting von El Perro del Mar aus Göteborg, dem hoffnungsvollen Abgesang an eine Liebe der Love Inks aus Texas oder dem Lexx-Remix zu „Gambarra“ von Cantoma. Hier muss man schon ein arger Zyniker sein, um dieser Auswahl gleichgültig gegenüber zu stehen.