Selbstbezügliche Soundforschung und Synthesizer-Schrauberei wäre für Otto Von Schirach aus Miami selbstgenügsam und langweilig. Vor der manischen, zersetzenden Energie des Breakcore-Dekonstruktivisten ist kein Musikstil sicher. Von Schirach hat ein enormes Gespür für deren Bruchstellen. Zerstörung ist bei ihm hochproduktiv: Jede Demontage erzeugt eine Bühne für ein neues Genre, das durch den Kakao gezogen werden kann. So entsteht auf seinem zehnten Album Supermeng eine satirische Revue, die die Popmusik vom Post-Punk bis zum aktuellen Hip-Hop gleichermaßen veralbert und überbietet: „Salpica Miami“ garniert gediegenen Retro-Hip-Hop mit Bootybass-Zoten, „Ultimate Universe“ setzt eine glorios-apokalytische DAF-Nummer zum Motivations-Song herab, der in ein Fitness-Video passen würde. „The Blob“ degradiert den Breakcore-Sound, den er selbst mit erfunden hat, zum comicartigen Gehampel. Allein am Detroit-Electro von „Breathe The Beat“ perlt die Ironie auf magische Weise ab. Mit „Diamond Eyes“ kommt er zum präferierten Hassobjekt, das sich durch das Album zieht: der Vocoder-R&B, der zur Zeit die amerikanischen Charts dominiert. Mit „Supermeng“ ist Mantronix an der Reihe, „Portal Prayer“ pitcht die Bass-Salven auf Zeitlupentempo herunter, bei „Dinosaurs“ mutiert sie zum grotesken Hupen. „Graviton“ nimmt sich Timbalands retrofuturistischen Hip-Hop vor, „Mind Power“ Devo, „Riptile Brain Wash“ Polit-Industrial. Die europäischen Entwicklungen bleiben leider ausgespart, in den Genuss einer Hyperdub-Verarschung kommen wir nicht.


Video: Otto Von SchirachSalpica (Miami)