Unter giftgrüner Piratenflagge besegelt das Münchner Rabaukendisko-Duo unermüdlich die sieben Weltmeere: in jedem Hafen ’ne Braut, und der königlichen Admiralität immer eine Nasenlänge voraus, schnappen sich Schlachthofbronx von jeder Küste einen Beat, von jeder Insel einen Dialekt. Die Lacher, die Tänzer und nicht zuletzt Labels wie Mad Decent und Man Recordings hatten sie dabei stets auf ihrer Seite. Dirty Dancing ist das Resultat einer Kaperfahrt, auf der sie vor allem in der Karibik (und weniger vor den Küsten Afrikas) fette Beute einfuhren. Der Eröffnungstrack „Slowine“ demonstriert im Baukastenprinzip, wie man auf simpel-effektive Weise einen Track aufbaut, kein Gramm Fett hängt da überflüssig rum, kein Kilojoule Energie wird verschwendet. Damit ist der Tisch gedeckt, und die Zutaten des neuen Albums werden aufgetragen: Eine Cumbia, ein Rockdrum-Loop, ein Reggae-Loop, getriggerte Unflätigkeiten, ein G-String-Schlüppi, eine Jukebox, es nimmt kein Ende. Doch je länger die beiden ihr Seemansgarn spinnen, desto mehr vermissen wir den Genius des Debüt-Albums. Eine Rückkehr des Arschboss vielleicht, oder ein Husarenstück wie das Dings mit den Landlergschwistern vom letzten Mal? Fehlanzeige. Nach drei EPs im vergangenen Jahr scheint sich eine Trackroutine eingeschlichen zu haben, die die vorstehenden Ecken und Kanten abgeschliffen hat, da reißen dann auch eine Warrior Queen mit ihrer neu entdeckten Slackness und der Ersatz-Swagger der Puppetmastaz nicht mehr so viel raus. So bleibt Dirty Dancing ein bisschen zu gerne im seichten Wasser, zufrieden mit der Jagd nach leichter Beute. Erst spät fällt auf, dass dafür keine einzige Breitseite abgefeuert wurde. Am Ende wird man im Hafen von Kopenhagen (!) abgesetzt, die geraubte Cohiba im Mundwickel, die Buddel Jamaika-Rum in der Hand und ein bisschen ratlos, während das Schiff langsam am Horizont verschwindet. Das war’s schon?

 

Stream: SchlachthofbronxDirty Dancing