Ich glaube mit Fug und Recht behaupten zu können, ein echter William-Orbit-Versteher zu sein. Selbst auf Hello Waveforms meinte ich noch eine höhere sound-
designerische Mission zu hören, welche die versammelten musikalischen Banalitäten rechtfertigen würde. Beim zweiten Teil von Pieces In A Modern Style kann ich dem Engländer aber auch mit größtem Wohlwollen geschmacklich nicht mehr folgen. Zwar blitzt hier und da Orbits fraglos vorhandene Gespür für Sounds und Strukturen auf, in der Summe klingen die meisten der zwölf Interpretationen von bereits hinlänglich abgenudelten Klassikhits aber bestenfalls wie Demoarrangements von Synthesizer-Workstations aus den Neunzigern. Fürchterlich wird es an Stellen wie denen, wo Orbit ohne Not einen 6/8-Rhythmus von Edvard Grieg auf einen 4/4-Takt quetscht oder wo er mit Wavestation-Glöckchen und Frauengejaule dem seligem Johann Sebastian auf die Pelle rückt – aua! Viel besser ist ihm die Remix-CD gelungen, für die er sich zusätzliche Unterstützung von Arbeitskollegen wie Timo Maas und Alex Metric geholt hat. Diese gibt es allerdings nur als Dreingabe für die Deluxe-Version, mit der man zwingend auch den äußerst verzichtbaren ersten Silberling ersteht.

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