Johannes Auvinen hat es einfach – das Zeug zum verkannten Genie, das Potenzial zum ewig unentdeckt bleibenden Superstar. Niemand sonst produziert derzeit House-Musik so, wie Auvinen es unter seinem Decknamen Tin Man tut. Und niemand kriegt es mit. Der in Kalifornien aufgewachsene und in Wien lebende Finne hat sich nach den Gänsehaut-Gletscherlandschaften auf seinem letztjährigen Album <i>Scared</i> diesmal für eine Konzeptarbeit zum ewigen Thema erwärmen können: Liebe, Begehren, der Duft der vergangenen Nacht, der Schmerz danach. <i>Perfume</i> ist ein grandioses Album. Aus der einst strikten Old-School-Verehrung, die Tin Man mit scheinbar manischem Fetischismus für die originalen Acpop-Maschinen betrieb (siehe zum Beispiel die Dreifach-EP „Acpop Acpop“ von 2005), ist ein vollkommen eigener Stil erwachsen: eine Art Synthie-Pop und Singer-Songwriter-Electronica, die auf den Grundlagen von House Music funktioniert. Auf <i>Perfume</i> jongliert Tin Man virtuos mit verschiedensten Klischeeversatzstücken des Genres, die er gerne aneinander reiben und rubbeln lässt. Es kratzt sich und beißt sich, und es wird auch in der sonst eher unterkühlten finnisch-österreichischen Blechkameradenwelt so richtig heiß.

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