Mit seinem Label Classic drückte Derrick Carter von Mitte der Neunziger an der House-Stadt London seinen Stempel in Gestalt seines speziellen Stilhybrpopen aus Chicago House und Disco auf. Seine Rückkehr nach Chicago 2004 hinterließ ein Vakuum. <i>Fabric 56</i> ist nicht nur als Carters Rückkehr nach London ein Ereignis, seit 2002 hat er kaum veröffentlicht und seine legendären Mix-CDs <i>Cosmic Disco</i> und <i>Choice</i> liegen Jahre zurück. Die manische Energie des Sets reißt eine Kluft ins aktuelle Clubgeschehen. Der Sound ist derb und basslastig. Die Grundspannung entsteht aus den Kontrasten schwerer, schmetternder Snares und hüpfender, sich überschlagender Basslines. Dieses explosive Basismolekül bleibt selten als Loop stehen, in quasi jedem Takt passiert etwas. Carter benutzt EQs, diverse Effekte, sampelt Elemente aus bereits gespielten Stücken. Durch die hineingedrehten Bässe klingen bekannte Tracks ganz anders, etwa wird die klangliche Brillanz und Ausgewogenheit von Johnny D.s Remix von Osunlades „Prpope“ komplett ausgehebelt. Aus den unterschiedlichsten Elementen entwickelt Carter ein packendes Ganzes – um es auch sofort wieder an seine Grenzen zu bringen: Konfusion und Chaos sind hier genauso wichtig wie Energie und Entschiedenheit.

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