Mit der Nostalgie ist das so eine Sache. Wenn man heute, fast zehn Jahre später, frühe Ladytron-Hits wie „Seventeen“ und „Playgirl“ hört, wirken sie wie liebgewonnene Relikte aus den Achtzigern. Als sie seinerzeit erschienen, hing es vom eigenen Verhältnis zum Synthie-Pop dieses Jahrzehnts ab, ob man sie mochte oder nicht. Und wenn man sie mochte, war das nicht ein Zeichen dafür, in der Vergangenheit hängengeblieben zu sein, wie der Bob-Dylan-Fan, der jeden Aushilfs-Dylan als passablen Ersatz akzeptiert? Oder ist der ewig „alles schon mal da gewesen“ murmelnde Grantler nicht vielmehr in seiner eigenen Jugend steckengeblieben und darüber vergreist? Vergessen wird dabei gerne, dass die Revivalisten diese Zeit selbst gar nicht miterlebt haben. Ihre Nostalgie ist nicht die verklärte Reminiszenz an die eigene Jugend, sondern das mehr oder weniger kreative Nachbauen einer Zeit, die sie nur von Platten, Filmen und vom Hörensagen kennen, aus denen sie sich eine eigene Vorstellung dieser Zeit bauen. Ladytrons Verständnis der Achtziger hat sich im Laufe der Zeit von der etwas oberflächlichen popee eines kalten Futurismus in Mode und Technik zu etwas Dunklerem, Emotionalerem und weniger Offensichtlichem entwickelt. Das lässt sich auf diesem – allerdings nicht chronologisch organisierten Best-Of-Album – nachhören. Mit den besten Aspekten des Achtzigerpop hat das Quartett ein absolutes Händchen fürs Songwriting gemein. Und dann ist da noch der doppelt vergebene Gesangspart (Helen Marnie: süß und melodiös; Mira Aroya: kalt und mysteriös), der die zwei Seiten der Synth-Pop-Medaille perfekt spiegelt.

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