Kollektive Systeme kommunizieren nicht selten über eine Identifikationsfigur mit ihrer Umwelt. Im Falle der Weilheimer „Console“ ist dies Martin Gretschmann, der seine Affinität zu technikinduzierten Transformationsprozessen in viele Projekte einbringt (The Notwist und 13&God zum Beispiel) und außerdem solo als Acid Pauli Stoff gibt. Welches Selbst wird also mit Herself adressiert? Vielleicht ja das von Miriam Osterrieder, die in einige Stücken Text und Stimme und damit wiederum kurzfristige identitäre Momente einbringt. Die Stärke dieses Albums liegt genau in dem Spiel mit den Zuschreibungen, den Identifikationen. Gretschmann interessiert sich für Schnittstellen, liebt die mögliche Anonymität der Techno-Technologie wie die poetischen Ich-Ideale des Indie-Pop. Osterrieder hält ihre Stimme in einer vagen Tonlage zwischen Gesang und Sprache. Nichts erscheint hier definitiv beziehungsweise definitorisch, eher skizzenhaft als meisterwerkig, manche Ansätze sind vielversprechend, andere weniger, und im nächsten Moment kann sich der Eindruck schon wieder gewandelt haben. Herself präferiert das Momentane, flüchtig sich Verflüchtigende, und die instabilen Identitäten, die die Musik produziert und denen sie Zuflucht gewähren soll.