Manche Dinge bedürfen eigentlich keiner Worte. So sehr dieser Satz ein Klischee ist und so plump manchmal die Einstellung erscheint, Musik nur mit dem Bauch statt mit dem Kopf zu empfinden – bei Underground Resistance ist er gleichzeitig richtig und falsch. 1990 mit „Your Time Is Up“, auf dessen Label zwar „UR Techno“ zu lesen war, aus dessen Rillen aber die Stimme von Yolanda Detroiter Gospel ertönen ließ, ins Leben gerufen, war Underground Resistance noch nie für nur eine Schublade gut. Jeff Mills, Robert Hood und Drexciya fanden dort genauso ihren Platz wie Garage-Hymnen von den Members Of The House, besagter Dame (Erzeugnisse dieser Art sind in voller Blüte auf den Sublabels Simply Soul, Happy Records und Soul City zu hören) oder junge Fabrikate wie die der Los-Hermanos-Gang. Zusammengehalten wird das gesamte Imperium inklusive des Submerge-Vertriebs von Mad Mike Banks, dessen Persönlichkeit von Anfang an zur Mythenspinnung taugte. Einerseits eher presse- und öffentlichkeitsscheu, zweitens aber nicht darum verlegen, eindeutige Statements und Botschaften auf Platten hinauszutragen. Ob nun Gedichte auf den Labels („The Turning Point“), in den Auslaufrillen („Soul – you cannot buy it and we pity those who try…”) oder naheliegend im Projektnamen selbst: Underground Resistance ist mehr als ein einfaches Plattenlabel. Undergound Resistance ist eine Lebenshaltung. Mad Mike versucht dabei nicht nur Detroiter Produzenten und Talente zu fördern, sondern ist unisono Streetworker, Doyen, Autofreak und Mäzen. Erlöse aus Auftritten, Platten oder eigens auf die Beine gestellten Partys fließen da schon mal gerne in Nachbarschaftsprojekte. Da könnte man fast zum Romantiker werden.

A Hi-Tech Jazz Compilation blickt nun auf Banks Galaxy-2-Galaxy-Projekt und die musikalische Seite der UR-Medaille zurück, die weniger mit den „Waveform Transmissions“ und mehr mit „Jupiter Jazz“ zu tun hat. Berührungsängste mit Saxophonen oder den extrovertierten Keyboardspielereinen Mad Mikes sind an dieser Stelle hinderlich und ganz und gar nicht gefragt. Das hier läuft außer Konkurrenz. Ohne Frage stellt Galaxy 2 Galaxy ein fehlendes Bindeglied zwischen Detroits Motown-Vergangenheit und der Techno-Zukunft dar. In einer notwendigen Uneinigkeit mit manch anderem Urgestein der Stadt interessierte sich Mad Mike nämlich nicht ausschließlich für Fords Automobile, sondern stets auch für Gordys Schallplatten. Wie sonst könnte einem „Hi-Tech Jazz“ nach all den Jahren immer noch Tränen in die Augen und Gänsehaut auf den Rücken zaubern?