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Heroes / At The Gun Show

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Der Cousin von Jesper kann einem so langsam unheimlich werden. An die Tatsache, dass der bis dato wahrscheinlich produktivste Musiker der Elektronik-Szene den 12“-Markt penetriert wie kein anderer, hat man sich ja schon fast gewöhnt, doch nun übernimmt der 21jährige Schwede mit den parallel veröffentlichten Alben auf Kompakt und Pickadoll auch die Regie im Longplay-Format mit einer atemberaubenden Selbstverständlichkeit. Aber schön der Reihe nach: Nach vier Maxis auf der kompakt´schen Reduktionsbaustelle K2 schiebt Dahlbäck alias Hug mit „Heroes“ eine Fantasie in Strobo-Moll nach, deren musikalische Geschlossenheit und Visionskraft jeden Vorwurf der kreativen Routine ad absurdum führt. Ähnlich den Produktionen von Bodzin/Huntemann regiert die Nacht in sparsam akzentuierten Bassmonstern zwischen Electro-Referenzen, Sägezahn-Attacken und harmonisch schimmernder Modulationsoberfläche, und wer bei solch herausragenden Tracks wie „Tiny Stars“, „Sub“ oder „Tons Of None“ nicht sofort die Körperkontrolle verliert, muss mit dem Minimal-Diskurs im Technobegriff 2006 aber ganz fürchterlich auf Kriegsfuß stehen. Als logische Konsequenz bzw. Antipode führt anschließend „At The Gun Show“ für das künstlereigene Pickadoll-Label den Hörer wieder zurück in den Song, die erotisierte Stimm-Faszination dreier Gastsängerinnen bzw. aus dem Sample-Baukasten schlägt die Brücke zwischen europäischem State of the art-Techno und Chicago-beeinflusstem House („Get Over“). Dabei liefert die mit dezenten Björk-Anleihen gegen den Strich gebürstete Sinnlichkeit von „Somebody Outspope“ oder verträumt durch den Raum schwebende Neotrance („Our Song“) die opulente Nachspeise einer unvergesslichen Clubnacht, ohne die Funktionalität zu vernachlässigen. Bepope Alben in ihrer ganz eigenen Lesart grandios!

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