CRO und Bootshaus im AMØK Club auf Mallorca: Minikleider, Leinenhosen und Akrobatik in angenehm entschleunigter Dynamik  

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Horrende Preise und Celebrity Culture machen das Feiern auf Ibiza für die meisten unerschwinglich und unattraktiv. Unsere Autorin Johanna Lühr hat sich auf Mallorca nach einer Alternative umgesehen.

Es ist kurz nach 1 Uhr nachts, als wir mit dem Auto zum AMØK fahren. Der Club liegt außerhalb des Zentrums von Palma, direkt am Flughafen. Von außen erinnert die Location sehr an die großen Clubs der Nachbarinsel Ibiza und wirkt ein wenig wie eine Konzerthalle. Über dem Eingang leuchtet ein riesiger „AMØK“-Schriftzug, Palmen und bunte Lichterketten verleihen dem Vorplatz beinahe Festival-Charakter. Heute Nacht steht Deutschrap-Veteran CRO mit einem DJ-Set als Headliner auf dem Line-up. Spätestens die rund 50 Meter lange Schlange, die sich bis auf den Parkplatz zieht, macht deutlich, dass er für das Publikum kein Unbekannter ist.

Dass der deutsche Pandamasken-Pop-Rapper mittlerweile auch als DJ auftritt, war mir allerdings neu. Zuletzt war er mir eher durch Vorwürfe wegen sexistischer Texte und fragwürdige Interviews aufgefallen – Debatten, die inzwischen jedoch einige Jahre zurückliegen. Was mich musikalisch im AMØK erwartet, kann ich deshalb nur schwer einschätzen. Auch Clubbetreiber Gonzalo Martínez Bailo hält sich mit Prognosen zurück. Beim gemeinsamen Abendessen verrät er lediglich, dass CRO der bislang teuerste Act in der Geschichte des Clubs sei. Im Vorverkauf ging zwar nur knapp die Hälfte der verfügbaren Tickets weg. Doch der Andrang an der Abendkasse lässt vermuten, dass sich der Club trotzdem rasch füllen wird. 

Bottle Service wird allerdings auch hier geboten (Foto: AMØK)

Claptone und Noel Holler sorgten für die bisher erfolgreichsten Nächte im AMØK, erzählt Gonzalo weiter. Dabei sind sie bei weitem nicht die einzigen bekannten Künstler, die es bisher ins AMØK verschlagen hat. Seit der Eröffnung standen schon zahlreiche internationale Größen hinter den Decks, darunter Ben Klock, Loco Dice, Pan-Pot, Oliver Koletzki, Super Flu, James Hype, Denis Sulta und auch das Drumcode-Label machte hier schon Station. Was mich besonders überrascht: Trotz der hochkarätigen Bookings bleiben die Ticketpreise mit rund 15 Euro sehr erschwinglich – auf Ibiza zahlt man nicht selten das Dreifache. Mallorca sei schließlich nicht für Party-Tourismus bekannt, erklärt dazu Gonzalo. Man kann es sich deshalb schlicht nicht leisten, die Preise anzuheben. Verständlich, schließlich ist das altbewährte Partyparadies Ibiza, keine 150 km entfernt.

Links liegt die Bar, rechts führt ein Durchgang auf den großzügigen Außenbereich, der an diesem Abend ausschließlich zum Rauchen und Essen genutzt wird.

Wir gehen durch den Hintereingang des Clubs direkt in den VIP-Bereich hinter dem DJ-Pult und nehmen an einem der neun Tische Platz, auf denen bereits gekühlte Getränke bereitstehen. CRO lässt sich noch nicht blicken, stattdessen stimmt ein Warm-up-DJ die Gäste mit modernem Tech House und sommerlichem Beach House auf den Abend ein. Die Tanzfläche ist schon gut gefüllt, während ich die Crowd inspiziere, kommt eine Kellnerin mit zwei Vodka-Flaschen und brennenden Wunderkerzen zu unserem Tisch. Ehe ich mich versehe, habe ich sie schon in die Hand. Sie mischt den Vodka mit Zitronen-Limo – ich warte brav bis die Wunderkerzen heruntergebrannt sind.

Aymen Rhalib (Foto: AMØK)

Dabei lässt sich, von dem erhöhten VIP-Tisch aus, der zweistöckige Innenraum gut überblicken: Unten tanzt das Publikum, auf der Empore dahinter befinden sich Licht- und Tontechnik. Links liegt die Bar, rechts führt ein Durchgang auf den großzügigen Außenbereich, der an diesem Abend ausschließlich zum Rauchen und Essen genutzt wird. Insgesamt wirkt die gesamte Infrastruktur – vom Soundsystem bis zur Lichttechnik – ausgesprochen professionell. Dass das AMØK bei den Mallorca Electronic Music (MEM) Awards 2025 als bester Nachtclub der Insel ausgezeichnet wurde, überrascht daher kaum.

Unsere Begleitung erklärt, dass Montage im AMØK traditionell deutlich ruhiger verlaufen als die Wochenenden.

Als CRO schließlich die Decks übernimmt, ist der Floor voll. Was sofort auffällt: Ein Handyverbot gibt es hier nicht – im Gegenteil. Überall ragen Smartphones in die Höhe, viele filmen mit eingeschaltetem Blitz. Das Publikum ist auffallend schick gekleidet. Die meisten Frauen tragen hohe Absätze, Miniröcke oder luftige Sommerkleider, die Männer weiße Leinenhosen und aufgeknöpfte Hemden. Mit CROs Auftritt geht ein hörbares Kreischen durch den Raum. Spätestens jetzt geben sich auch die zahlreichen deutschen Urlauber:innen zu erkennen.

Auch ein CRO schaut mal zur Seite (Foto: Johanna Lühr)

Musikalisch setzt CRO konsequent auf massentauglichen House: Disco-Edits, Ibiza-Sounds, Tech House, EDM und immer wieder bekannte Popsongs zum Mitsingen. Die Stimmung bleibt konstant gut, zur großen Tanz-Ekstase kommt es jedoch nicht. Es wirkt, als würde das Publikum auf die Top-Songs des Rappers à la “Easy” und “Traum” warten. Erst gegen Ende greift er einige davon auf, singt selbst mit – und die Crowd stimmt textsicher ein.

Bevor ich erleben kann, wie sich die Party weiterentwickelt, holt mich die Müdigkeit des Vorabends ein.

Ganz anders präsentiert sich das AMØK nur einen Tag später. Jeden Montag findet hier die Veranstaltungsreihe „122“ in Kooperation mit der Kölner Hardtechno-Institution Bootshaus statt. Auf dem Line-up stehen Avantgart Tabledot, Aymen Rhalib sowie Guri & Eider. Als wir gegen 22.30 Uhr eintreffen, ist zunächst nur der Außenbereich geöffnet. Zwischen Disco- und House-Sounds sorgen Tuchakrobat:innen, Jongleur:innen und Feuerkünstler:innen für Festival-Vibes. Unsere Begleitung erklärt, dass Montage im AMØK traditionell deutlich ruhiger verlaufen als die Wochenenden.

Zum Rappen darf die Maske dann auch angehoben worden (Foto: AMOK)

Erst gegen 23.30 Uhr öffnet der Indoor-Floor, während draußen die Musik verstummt. Langsam verlagert sich das Geschehen nach innen. Die Tanzfläche füllt sich nur allmählich, was dem Abend eine angenehm entschleunigte Dynamik verleiht. Den Auftakt übernimmt das DJ-Duo Aymen Rhalib. Die weibliche Hälfte der beiden singt live zu den House-Tracks und verleiht dem Opening damit eine recht dramatische Note, die sich deutlich vom klassischen Warm-up vieler Clubnächte abhebt. Vom VIP-Tisch aus – diesmal seitlich vor der DJ Booth – beobachte ich, wie sich die Tanzfläche langsam füllt. Die Leute, wieder in schicken Kleidern und weißen Leinenhosen, tanzen eher zurückhaltend von einem Fuß auf den anderen. Bevor ich erleben kann, wie sich die Party weiterentwickelt, holt mich die Müdigkeit des Vorabends ein. Gegen 01:00 Uhr verlassen wir den Club. 

Nach zwei Abenden im AMØK bleibt nun der Eindruck, dass Mallorca einen Club hinzugewonnen hat, der mit schicker Ausstattung, hochwertigem Sound und einer aufwändig inszenierten Atmosphäre überzeugt. Wer also nach großformatigen Clubnächten mit Ibiza-Flair sucht, dabei aber nicht die horrenden Preise der Nachbarinsel zahlen möchte, dürfte hier fündig werden. 

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