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Mixe des Monats: August 2025

AEMN – BCCO Mix Series 659 (BCCO)

Überraschungen sind nicht nur eine gute Sache, wenn sie in Schoko-Eier gegossen sind. Auch in DJ-Mixen sind sie manchmal das Zünglein an der Waage, die den Unterschied zwischen einem guten und einem besseren Set ausmachen. Der Berliner DJ AEMN ist so etwas wie ein menschgewordenes Ü-Ei, über das man sich auch im Erwachsenenalter freuen kann. Bei ihm sitzt nicht nur jeder siebte Track: In seinem einstündigen Set für das Berliner Kollektiv BCCO kommen ganze 44 Nummern unter. Trotz dieser schieren Masse schafft AEMN es, das ganze Set als einen langgezogenen Song zu präsentieren, mit einem gelayerten Meer aus hypnotischen fast-pace-Beats, die das Gefühl von Raum und Zeit vergessen lassen.

Wer sich gerne in den dunklen Weiten von Hard Groove-Tracks verliert, wird Fan dieses Sets. Wer immer wieder einen leuchtenden Anker braucht, wird auch fündig. Dafür stehen die zahlreich verteilten Easter-Eggs, die verbaut sind. Ein Beispiel: Etwa zur Hälfte des Sets finden im Track „Vairoc” des georgischen Producers Pierce Geigen-Einlagen ihren Weg aus dem Beat-Tapete heraus.

AEMN produziert seit fünf Jahren und legt seit zwei Jahren auf. Ein so einzigartiges und, ja, ich muss es nochmal schreiben, überraschendes Set macht große Lust auf alles, was da noch kommen mag. Tom-Luca Freund

Charis – House Mix 039 (SEVEN)

Das Vorbeihuschen eingegrabener Gerüche an sonnenbefleckten Vorhängen. Das Hüten neu gefundener Tracks, die alten wurden dem Winterschlaf geschenkt. Die zerdehnten Morgenstunden, der erste Kaffee und schließlich das erste Set außerhalb des Wochenend-Mikrokosmos. Das Post-Festival-Down lässt sich mit Charis‘ August-Mix für das Berliner Label SEVEN ziemlich gut auskochen.

Zwischen den Vier-Viertel-Takten klebt die Sommernostalgie anfangs an kleineren Dub-Pads. Deep-House-Vocals klopfen zart an das Loop-Gerüst, bevor sie verschwinden und fragmentarisch wieder aufatmen dürfen. Die Wärme der minimalistischen Oberfläche fühlt sich fast an wie eine subtile Umarmung und wird durch die zielsicheren Synthie-Arpeggios auf halber Strecke aufgelöst, durch proggy House-Klänge im Hintergrund aber glücklicherweise wieder sanft aufgefangen.

Charis selbst beschreibt den Sound als „emotional dance music”. Das letzte Drittel des Sets markiert mit Festival-tauglichen Tech-House-Drops auf perkussivem Untergrund organisch genau diesen Übergang von Emotionalität zum Dancefloor-Charakter, ohne dabei fordernd zu wirken. Besonders der vorletzte Track formuliert mit seinen Vocals und der frechen Melodie den Wunsch, noch einmal mit sandigen Schuhen in den Tag tanzen zu dürfen.

Es scheint alles in allem so, als lebe der Mix von einer detailverliebten Metamorphose, die leise verspricht, den Sommer noch ein wenig verlängern zu dürfen. Danke dafür, Charis! Lea Jessen

Circuits w/ Olly Chubb: Underground Resistance Special (NTS)

Geschichte, Freunde. Also kennen und wissen, was mal war. In der Vergangenheit oder früher. Das ist so ein bisschen na ja, gerade. Die einen brennen auf die Zukunft, die anderen verbrennen sich im Jetzt. Und niemand dreht sich um. Weil, huch, das könnte ja belastend sein, wenn man auf einmal draufkäme, dass man die ganze Zeit doch keine Ahnung gehabt hat und jetzt also, peinlich, peinlich, nicht mehr Brutalismus3000 für die Erfinder von Techno hält.

Geschichte, deshalb. Kann ein bisschen dafür sorgen, dass man das, was man so zwischen Clubtoilette und Closingtrack zu glauben tut, ein bisschen besser versteht. Zumindest einordnen kann. Und darum scheint es ja zu gehen. Um das, äh, Einordnen, der Musik, in den Kontext. Oder umgekehrt. Wer weiß das schon so genau. Jedenfalls ist dieser Mix: eine kleine Geschichte von Detroit, Techno, Underground Resistance. Vermittelt in sogenannten Classics und der Energie, die man braucht, um als Pädagoge nicht sofort in den Burnout einzuchecken. Christoph Benkeser

HEISSS CLUB RECORDING: Tobi Lack b2b dxrvo @ RSO.BERLIN, July 13th 2025 

HEISSS startet eine neue Club-Recording-Reihe. Die erste Episode ist von der Three Years Anniversary Party im RSO.Berlin, die vom 12. bis 14. Juli 2025 stattfand. Zeitgleich war es auch eine der Afterpartys von Rave The Planet. Das Set wurde am Sonntag, dem 13. Juli, von Tobi Lack im b2b mit dxrvo gespielt.

Von 13 bis 16 Uhr übernahm das Duo den Floor Robus und füllte den Raum mit hypnotischem, treibendem Techno. Perfekt, um in den Tag – oder besser gesagt in den Nachmittag – zu gleiten, wenn die Nachwirkungen von Rave The Planet noch in jedem Puls und jedem Beat nachhallen. Aber ebenso gut, um sich abseits des Club-Settings treiben zu lassen.

Das b2b entfaltet von Beginn an eine hypnotische Energie. Was am frühen Nachmittag noch wie ein gedämpftes Nachhallen der Parade wirkt, entwickelt sich Stück für Stück zu einem energetischen Sog. Leise, vereinzelte Vocals blitzen durch die Bassdecke, tauchen wie kurze Echos an die Oberfläche und verschwinden sofort wieder. Der Sound gerät zunehmend treibender und schüttelt die Nachmittags-Trägheit ab. Das Ende: ein dramatischer Abgang. Alles in allem: ein Mix, der von der Dramaturgie lebt und ein b2b, das über das Club-Setting hinaus tönt. Katharina Pittack

Radio Limbo 17.08.25 (Noods Radio)

Mein persönlicher Festivalsommer ist seit dem Wochenende vorüber: Lighthouse, Nation of Gondwana, Nachti und Good2U liegen hinter mir und lassen zwei erkenntnisreiche Schlüsse zu: Ich kann’s noch, werde aber älter. Das haben mir insbesondere meine ausgedehnten Aufenthalte auf dem Ambient-Floor des Good2U vor Augen geführt. Sitzen ist das neue Raven, zumindest manchmal – diese meine jüngst gefundene Überzeugung verfestigt auch die neue Radio-Limbo-Ausgabe auf Noods Radio, die den Dreitageskater so langsam besänftigt.

Über knapp eine Stunde hinweg hat das Team von Limbo Tapes dafür Breaks, Ambient und Downtempo introvertierter bristolischer Färbung aneinandergefädelt – eine Wohltat, wenn sich Ohr, Herz und Füße noch Geschichten von Peaktime-Techno und Closing-House erzählen. Maximilian Fritz

Auf dem Mock steht zwar „July 2025”, die Show ist aber aus dem August – versprochen!

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