Ipek (Foto: Melis Oezdil)

Wie klingt Berlin? Das ist eine Frage, die das Festival Sounds of Berlin vom 25. bis 28. November versucht zu beantworten. Im Konzerthaus Berlin finden aus diesem Grund Konzerte unterschiedlichster Stoßrichtung statt. Am Samstag, den 27. November, lädt DJ Ipek zur Eklektik-Berlinİstan-Nacht. Dabei mischt sie traditionelle Musik des Mittleren Ostens und Anatoliens mit modernen elektronischen Klängen, Videokünstler Mahir Duman liefert die Visuals für den Großen Saal.

Außerdem spielt sie auf der Hybrid-Edition des Festivals am 28. November. Vor dem Sounds of Berlin hat sie uns verraten, wie sie seit ihrer Kindheit musikalisch geprägt wurde, welche Künstler*innen in ihrem Feld derzeit zu beachten sind und was von ihrem Auftritt zu erwarten ist.


Du mischst traditionelle Musik des Mittleren Ostens und Anatoliens mit elektronischem Sound. Kannst du umreißen, wie deine musikalische Sozialisation ablief und wie du diese beiden musikalischen Welten kennengelernt hast?

Ich bin als Kind türkischstämmiger Immigranten in Deutschland geboren und auch mehrheitlich in Berlin aufgewachsen. Allerdings bin ich auch in Izmir zwei Jahre zur Schule gegangen. In der Zeit war ich Mitglied des Schulchors und hatte einige Auftritte. Auch in Berlin war ich bei Chören und Volkstanzgruppen. Bei uns zu Hause wurde viel gehört: Westliche Klassik, Musiki, also türkische klassische Musik, anatolischer Psychedelic Rock aus den 60ern und 70ern und anatolische Volksmusik.

Dadurch spielte für mich von klein auf Musik aus der Türkei und verschiedener Genres eine große Rolle für mich. Später, als ich bereits anfing, aufzulegen, bemerkte ich, dass ich elektronische Musik sehr liebe, und wollte eine musikalische Verbindung herstellen. Dafür gab es zu wenig Material. Also habe ich angefangen, selbst herumzusamplen oder Mash-Ups zu machen. Heute produziere ich selbst anatolisch und vom Mittleren Osten angehauchte elektronische Musik, von Deep House bis hin zu Techno.

Welche Künstler*innen außer dir bekommen diesen Spagat zwischen Tradition und elektronischen Einflüssen momentan besonders gut hin?

Mit meinem Trio Karmatürji mit Petra Nachtmanova und Ceyhun Kaya arbeiten wir aktuell an unserem Debütalbum, das Volkslieder mit elektronischer Interpretation beinhaltet. Es gibt auch die Band Santi & Tuğçe, die sind in Berlin ansässig. Yasmine Hamdan aus dem Libanon hat auch einige elektronische Tracks.

Mittlerweile finden sich auch einige DJs, die ähnliche Musik wie ich produzieren. Zum Beispiel Barış K mit Cem Yildiz als Insanlar,  Anatolian Sessions als Remixer oder Kozmonot Osman. In den 90ern und Anfang der 2000er außerdem Natacha Atlas mit ihren früheren Produktionen, Asian Dub Foundation mit Drum’n’Bass, Roni Size ebenso mit UK-Drum’n’Bass.

Aus Berlin wären da SiiN, die sich an Dabke orientieren. Aber ich bin immer noch die Einzige, die über das Editing und Remixing hinausgeht und wirklich versucht, sehr alten Volksliedern durch elektronische Einflüsse eine andere Dynamik zu verleihen. Mir geht es nicht um die Änderung der traditionellen Elemente, sondern ich sehe das, was ich mache, als Erweiterung. Ich möchte in der heutigen Zeit einer bestimmten Zuhörerschaft diese Musik zugänglicher machen. 

Dein Auftritt zusammen mit Mahir Duman ist als eine „Hommage an Berliner Clubnächte” gedacht. An welche Clubnächte denkst du da besonders?

In erster Linie ist mir die musikalische Diversität Berlins wichtig. Daher ist das eher ein Zeichen gegen die musikalische Eintönigkeit.

Kannst du einen Vorgeschmack darauf geben, wie der Auftritt im Konzerthaus aussehen wird? Was erwartet das Publikum?

Ich werde meinen Eklektik-Berlinİstan-Style auflegen. Also nicht nur reinen Techno, der in Berlin als typische Clubmusik gilt. Da ich in verschiedenen musikalischen Communitys angesiedelt bin, möchte ich die musikalische Diversität eher hörbar machen: Einen hybriden Mix, bestehend aus traditioneller Musik aus dem Mittleren Osten und Anatolien bis hin zu elektronischem Sound.

Psychedelic Turkish Funk trifft auf Disko, Balkanfolk auf House, kurdischer Halay auf Electro, türkischer Tango auf Breakbeat, Bhangra auf Moombahton, albanischer Pop auf Twerk, iranischer Folk auf Techno, Anatolische Volkslieder auf Deep House.

Welche Projekte stehen bei dir demnächst an?

Obwohl ich beim Produzieren in verschiedenen Genres angesiedelt bin, konzentriere ich mich auf derzeit auf Melodic Techno mit traditionellem Gesang und traditioneller Instrumentierung. Zuletzt habe ich bei Soleid veröffentlicht, im Juli auf Katermukke. Außerdem bin ich gerade dabei, mit Karmatürji unser Debütalbum vorzubereiten. Davon ist bereits eine Single draußen , bald kommt die zweite Single auf Trikont.


Groove präsentiert: DJ Ipek auf dem Sounds of Berlin
27. November

Tickets: 15 Euro

Konzerthaus Berlin

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