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ROBERT HOOD M-Print: 20 Years Of M-Plant Music (M-Plant)

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Lange Zeit war Robert Hood bloß beharrlicher und produktiver als seine Detroiter Techno-Kollegen. Mittlerweile bewegt er sich in einer ganz anderen Klasse. Für die meisten Mitstreiter aus der formativen Zeit in den frühen Neunzigern ist das Produzieren neben dem Auflegen längst zweitrangig geworden. Robert Hoods Interesse an der Musik scheint unerschöpflich zu sein. Und sein ultrareduzierter Ansatz, bei dem ein Track aus zwei Drum-Sounds und zwei Synthesizer-Riffs bestehen kann, wirkt bis heute zeitlos. Sein Floorplan-Album von vergangenem Jahr erregte Aufsehen wie schon seit Jahren kein Album eines Detroit-Techno-Künstlers mehr. Seine Tracks werden nicht nur von nostalgischen Connaisseurs gespielt, sondern von diversen DJs aus den unterschiedlichsten Szenen.

Zwanzig Jahre sind vergangen, seit Hood mit seinen stilbildenden Alben Internal Empire und Minimal Nation sowie einer Reihe von Maxis seinen minimalen Techno-Entwurf entwickelte. Er nutzt diese Gelegenheit, auf den Katalog seines zentralen Labels M-Plant zurück zu schauen. Auf der ersten dieser insgesamt drei CDs (beziehungsweise 33 Tracks) fasst er die Meilensteine aus der frühen, formativen Phase von 1994 und 1995 zusammen: „Movable Parts 1&2“, „The Protein Valve“, „Minus“ von Internal Empire und drei Tracks von Minimal Nation. Von 2001 bis 2008 hatte M-Plant eine Auszeit. Die Tracks auf der zweiten CD stammen aus der Zeit danach. Da erklingen viele der Tracks, mit denen Hood in den vergangenen Jahren im Nachtleben präsent war: „Alpha“, „Eleven“ oder „Baby, Baby“. Die Stücke auf der dritten CD sind zum Teil unveröffentlicht, zum Teil Neubearbeitungen. Hood nennt seine Remixe Re-Plants: durch sparsame, gezielte Eingriffe macht er seine Tracks spielbarer. Die unveröffentlichten Stücke erscheinen offenbar erst jetzt, weil sie sich zu unmittelbar an bestimmten, gängigen Stilen orientierten, aber gerade so wird Hoods Ansatz besonders deutlich. „A.M. Track“ gewährt mit seinen mächtigen Strings einen Blick auf Detroit-Hymnen wie „Knights Of The Jaguar“, „Untitled 4“ arbeitet den Irrwitz von Chicago House heraus. „Monkey“ ist ein Acid-Track, der mit einem Minimum an Knöpfchendrehen auskommt. Irritierend ist der Edit von „Minus“, der ungefähr so anmutet, als würde man in das Gesicht der Mona Lisa blicken, der auf einmal das Lächeln fehlt.

Eine ganze Reihe von Produzenten entwickelten schon früh minimale Ansätze, Baby Ford aus London etwa oder Wolfgang Voigt aus Köln. Doch sie waren Teil bestimmter Szenen und ihre Musik verlor an Relevanz als diese Zusammenhänge an Bedeutung einbüßten. Hoods Stärke liegt in seiner Unabhängigkeit. Er setzte sich von Underground Resistance gerade ab und erschuf sein Internal Empire. Diese Isoliertheit ermöglicht ihm vielleicht, wie kaum ein anderer Musiker die Neunziger als ersten Teil der Techno-Geschichte mit dem zu verbinden, was danach passierte.

 


Stream: Robert HoodM-Print: 20 Years of M-Plant Music (Snippets)

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