Konzerte der Pet Shop Boys waren schon immer Bekenntnise zum Artifiziellen und Absagen an Schweiß und „ehrliche“ Musik. Weitaus brutaler noch als Kraftwerk in den Siebzigerjahren oder irgendeiner ihrer Zeitgenossen aus den Achtzigern haben Neil Tennant und Chris Lowe den Rock’n’Roll gemeuchelt. Ihre erste Single „West End Girls“ war vom New Yorker Hi-NRG-Produzenten Bobby Orlando (The Flirts, Divine) produziert worden, viele ihrer Hits wie beispielsweise „Love Comes Quickly“ zogen ihre Inspiration aus Italo- und Euro-Disco. Folgerichtig wurde bei Live-Auftritten der Pet Shop Boys schon immer die klassische Konzertsituation gemieden. Musiker zerstören nur das Bühnenbild. Das hielten sie im November vergangenen Jahres auch in Mexiko-Stadt so, wo dieses Konzert der aktuellen Welttournee unter der Leitung von Regisseur Davpop Barnard aufgezeichnet wurde, der auch schon Live-Auftritte von Björk und den Gorillaz filmte. Wenn Neil Tennant bei „Home & Dry“ auf einer Chaiselongue sitzend Gitarre spielt, dann ist das in erster Linie Sinnbild der multimedialen, aber letztlich minimal gehaltenen Inszenierung an sich. In deren Mittelpunkt stehen riesige illuminierte, als Projektionsfläche dienende Würfel, vor denen der 52jährige Neil Tennant (in Frack und Zylinder) und sein 46jähriger Partner Chris Lowe (wie immer in Sportswear) konsequent nicht tanzend agieren. So lässt sich als Popstar in Würde altern. Für Bewegung sind zwei Tänzer und drei Background-Sänger zuständig. Zu Beginn der eindrucksvollen, Kunst und Kommerz vereinenden Revue sind tanzende Doppelgänger im Scheinwerferlicht zu sehen. Nach 114 Minuten endet der aus Songs wie „Suburbia“, „Domino Dancing“, „Heart“, „I’m With Stuppop“, „Shopping“, „West End Girls“ oder „Flamboyant“ bestehende Superhit-Reigen bombastisch mit „Go West“. Mission erfüllt.