Stefan Kozallas Großoffensive 2005 erreicht mit diesem, seinem ersten Kompakt-Album, den Gipfel. Nach dem humorvollen Freispiel seiner Adolf-Noise-CD setzt DJ Koze mit Kosi Comes Around auf Stringenz. Oder, tut er das? Cover und Tracktitel sind lustig. Kozalla in knallbuntem Shirt in einem seltsam künstlichen Wald mit Reh im Busch mutet wie eine Parodie auf die Gas-Meilensteine von Wolfgang Voigt an. Tracks, die „Barock am Ring“ und „Brutalga Square“ heißen, lassen auch eher musikalische Witze erwarten. Dazu kommt noch der Sinnspruch „Gras wächst nicht schneller, indem man dran zieht“ im Inlet. Die CD selber kommt komplett ohne Hörspiel-Schnipsel und lustige Vokal-Samples aus. Haben wir es also mit einer lustigen Verpackung und ernstem Inhalt zu tun? Oder ist Spaß und Ernst nicht eher unauflöslich verschränkt im Kosmos des DJ Koze?

Stefan Kozalla bewundert Künstler wie Martin Kippenberger dafür, dass sie ihre ernsten Sujets mit lustigen Titeln auflockern. Aber selbstverständlich steckt bei Kippenberger der Witz auch im Werk und der Ernst im Titel. Gleiches gilt für DJ Koze. Das Gunter-Gabriel-Sample auf „Zuviel Zeit?“ etwa ist ja nicht nur die lustige Entgleisung eines grenzdebilen Sängers, sondern in seiner verdrehten Art und der geschickten Aneignung durch Koze auch ein bitterer Kommentar zur Zeit.

Eines der Anliegen Kozallas bei seinen Kompakt-Veröffentlichungen war es in diese eher ernsthaften Kreise seinen oftmals albernen Humor zu schmuggeln und so Nischen zu öffnen und den strengen Kontext aufzulockern. Und auf Kosi Comes Around gelingt es ihm tatsächlich im großen Stil sehr stringenten Minimal Techno so anzulegen, dass er rockt und zum Schmunzeln animiert. Ein Stück wie „Raw“ steht der strukturellen Ernsthaftigkeit eines Wolfgang Voigt oder auch eines Richie Hawtin in nichts nach. Aber da sind diese seltsam wegbrechenden Sounds, die an das Zerschlagen von Glas erinnern, und den Beat in den unerwartetsten Momenten attackieren. Auf „Don’t Feed The Cat“ gibt es diese hochfrequenzigen Schleifgeräusche, nahe am Techno-Klischee-Sound, hier den Tick zu überdreht eingesetzt um komplett ernst genommen zu werden, was ihrer Fähigkeit zu Rocken aber keinen Abbruch tut. Zwischen diese Tanzflächenkracher hat Koze Ruhepole gesetzt, die noch beeindruckender sind. „Barock am Ring“ ist eine derart berückend schöne Laptop-Komposition, dass man fast überhört, dass es neben Klavier und den gewohnten Glitch-Sounds auch noch allerhand kindlich lustige Geräusche gibt. Die verlangsamte Stimme auf „My Grandmotha“ hingegen – ein längst nicht mehr lustiger Sound – wird hier derart kunstvoll in eine zarte Etüde aus verlangsamten und beschleunigten Sounds und Stimmen eingewoben, dass daraus eine Meditation über Zeit wird, der den vordergründig spaßigen Titel in einem anderen Licht erscheinen lässt. Spaß und Ernst werden in der Musik von DJ Koze derart gespiegelt und aufeinander bezogen, dass sie sich, wie in einer wirklich guten Komödie, gegenseitig verstärken.