Vorschusslorbeeren – welch garstiges Wort. Jene zu bekommen, kann nach hinten losgehen. Modeselektor sind mit dem Blattwerk überschüttet. Umso toller, dass Gernot und Szary jetzt mit einem Album debütieren, dass von all den Lobeshymnen gänzlich unbeeindruckt scheint. Vielmehr reichen sie die Hymnen galant weiter. Ja, selbst das dicke Lob von Radiohead-Kopf Thom Yorke hat die Berliner nicht vom Pfad der Tugend abgebracht. Denn selbst er kommt gegen echte Mutterliebe nicht an. “Hello Mom!” – Titel und Motto.

Die Platte ist dann außerordentlich stark, wenn es modeselektoreigen rumpelt und rastlos ruckelt. Stilistisch tobt das Album zwischen allem, was Spaß macht. Dicke Ragga-Bass für den Popo, zackiges Rave-Gesteppe für den Tanzboden, Soundlandschaften für süße Träume. Kennt man Modeselektor länger, erklärt sich das Album komplett. Den eigenen Sound kreiert und mit den Jahren verfeinert. Sogar das Backstage-Hörspiel folgt den Experimenten mit Freund Alex Kühne. Tja und oben drauf drei Sangesgastspiele von den Pariser Brüdern im Geiste TTC, Berlins eigenen Paul St. Hilaire aka Tikiman und Sasha Perera von Jahcoozi.

Das Schönste an “Hello Mom!” ist aber, dass dieses Album von einer Soundästhetik durchzogen ist, die mal heftig, mal verspielt, aber immer charmant verrückt das Trommelfell killert. Kein Wunder, dass gerade die selbstverliebten Franzosen die beiden Berliner ins Herz geschlossen haben. Doch das tollste, verschmitzteste zum Schluss: Eine Hymne an die Mütter. Die Mamas dieser Welt von Modeselektor geehrt. Die Jungs sind reif für das Ehrenband des Müttergenesungswerk erster Klasse.