RELEASES DER WOCHE

Futter für die Plattentasche (KW 49)

 

Neue Homepage, altbekanntes Spiel: Auch diese Woche schicken wir euch natürlich nicht sang- und klanglos ins wohlverdiente Wochenende, sondern versorgen euch wieder einmal mit unseren handverlesenen Lieblingsreleases der vergangenen Woche. Die kommen diesmal aus der mitten in der Heftproduktion befindlichen Redaktion. Verstärkung bekommen wir von Groove-Autor Sascha Uhlig, der nebenbei beim Blog Ashore aktiv ist und unter seinem DJ-Pseudonym Basco hinreißende Mixe abliefert, zuletzt einen brasilianischen Sommertraum für kalte Winternächte.

Mit dabei sind unter Anderem: Das großartige Re-Issue des Fingers Inc. Albums Another Side, verstörend-schöner Psychedelictechno von Xosar und Ancient Methods musikalische Reminiszenz an die wahrhol’schen Chelsea Girls.

Alben

 

Fingers Inc.Another Side (Alleviated)

2015 war erneut ein gutes Jahr für essentielle Re-Issues. Another SideNummer 26 in unserer Liste der 50 besten elektronischen Alben von 1988 bis 2013 ist eines der wichtigsten gewesen. Larry Heard, Robert Owens und Ron Wilson haben als Fingers Inc. mit Another Side eine Blaupause für einen R’n’B-beeinflussten House-Sound geschaffen, der oft kopiert und nie erreicht wurde. Heards jazzige Rhythmen bot den perfekten Backdrop für Owens und Wilsons zwischen Laszivität und Pathos pendelnden Vocals. Nur passend, dass Heard nach langer Zeit für Februar eine neue Veröffentlichung als Mr. Fingers angekündigt hat. Wir dürfen gespannt sein! Kristoffer Cornils


Stream: Fingers IncNever No More Lonely

 


 

Singles

 

Room 506Drop Out (Not On Label)

Das Boiler Room-Set von Ancient Methods zeigte sich vom Auftakttrack – Sunn O)))s & Scott Walkers „Herod 2014“ – bis zum Schluss eigenwillig. Besonders hervor stach ein EBM-lastiges Stück auf dem eine rauchige, tiefe Stimme zu hören war. Die gehörte Christa „Nico“ Päffgen – eben jener Nico, die schon bei The Velvet Underground unvergleich croonte. Es sollte jedoch eine Weile dauern, bis das Stück mit dem „Chelsea Girl“-Sample im Verkauf landen sollte – und tat das ganz überraschend unter dem Pseudonym Room 506 im Berliner Hardwax. Auch die 12minütige B-Seite der Platte basiert auf einem Nico-Sample und überzeugt genauso mit einem fiebrigen, unheilschwangeren Rhythmus. Kristoffer Cornils


Stream: Room 506 (aka Ancient Methods)Drop Out

 


 

Chrissy The Right To Dance With Somebody (La Mission)

‚The Right To Dance With Somebody‘, schreibt der Chicagoer Produzent Chrissy im ausgesprochen lesenswerten Inlay seiner neuen 12″, nehmen wir zwar heute als selbstverständlich hin, früher war es das keinesfalls – zumindest nicht für all diejenigen, die nicht ins heteronormative Bild damaliger Zeiten passten. In Anlehnung daran, dass die LGBT-Bewegung im New Yorker Tanzclub Stonewall das erste Mal aufbegehrte, scheint Chrissys Musik der stilistisch passende Denkzettel: Flamboyanter, hochenergetischer Disco mit hohem Anthem-Potenzial und unwiderstehlichen Grooves. Eine Feier der mühsam erkämpften Rechte und zugleich eine charmante Huldigung derer, die sich für diese eingesetzt haben. Kristoffer Cornils


Stream: ChrissyThe Right To Dance With Somebody (Snippet)

 


 

SW.Reminder Part Three (Sued 012)

Stefan Wust alias SW. ist zurück auf dem von ihm mitgegründeten Sued-Label und schickt uns den inzwischen dritten Teil seiner nunmehr jährlichen Reminder-Reihe. Fragt sich nur: Reminder wofür? Dass dieses Label viel mehr Leute auf dem Schirm haben sollten? SW. und die ganze Sued-Crew notorisch unterbewertet sind? Oder dass in Sachen nostalgischer Breakbeat-Reminiszenz mit House-Anschluss auch 2015 noch so einiges geht? Vier Tracks, die zu all diesen Fragen laut „ja“ sagen und in jede bessere Plattenkiste gehören. Sascha Uhlig


Stream: SW.Reminder Part Three

 


 

XosarShow Yourself (Gyrocyre)

Sheela Rahman hatte schon immer einen Okkultismus-Fimmel, seichtem und ausgesprochenem weltlichen Deep House war sie trotzdem nie abgeneigt. In letzter Zeit wurden ihre gemeinsamen Produktionen mit Legowelt (als Xamiga) wie auch ihre Solo-Arbeiten als Xosar zunehmend härter. Was sich bereits auf ihrem Debütalbum „Let Go“ im Frühjahr andeutete, das führt sie mit „Show Yourself“, dem ersten Release auf ihrem eigenen Label Gyrocyre, fort: Rahman denkt Techno nicht nur als körperliche Wucht, sondern auch als psychedelische Kraft, bringt harsche Noise- und Industrial-Elemente mit krachigem Four-To-The-Floor zusammen. Eine verstörendere und mutigere EP als „Show Yourself“ war 2015 nicht zu hören. Kristoffer Cornils


Stream: XosarMANMEATPCP