MONSTER GO-DJ Tragbarer DJ-Player

Text: Numinos
Erstmals erschienen in Groove 155 (Juli/August 2015).

 

„Ist der niedlich“, war eine typische Aussage der meisten Besucher, die sich bei der diesjährigen Musikmesse an den Stand von JD Sound Inc. verirrten und dort erstmalig den Monster GO-DJ in Augenschein nehmen konnten. Ein barrenförmiges Gerät mit zwei OLED-Touchscreens, das nicht weniger verspricht, als ein ausgewachsenes DJ-Setup in Taschenformat zu bringen. Ob das gelungen ist, haben wir uns angeschaut.

 

Konzept

 

Das eigentlich sensationelle am GO-DJ ist dabei vielleicht weniger seine Miniaturisierung, sondern der Umstand, dass es sich um eine komplette Eigenentwicklung der koreanischen Firma JDSound Inc. handelt. Auf die wurde der amerikanische Kopfhörer-Gigant Monster aufmerksam und sicherte sich stante pede die Rechte, das Produkt unter ihrer eigenen Brand zu vermarkten: Das hatte man bislang auch noch nicht so häufig. Aber der GO-DJ ist auch kein ganz gewöhnliches Gerät. Vielmehr handelt es sich um einen kleinen Mobilrechner mit zwei berührungsempfindlichen Touch-Farbdisplays, einer integrierten Soundkarte (Line- Phones-Out & Mic-, Line-In), SD-Kartenleser und einer kleinen Mischersektion bestehend aus vier gerasterten Enlos-Encodern, zwei Play/Pause/Cue-Tastern und einem 45-Millimeter-Crossfader. Und das alles auf einer winzigen Stellfläche von gerade einmal 25 Zentimetern in der Breite und 6,5 Zentimetern in der Höhe.

 

go-dj

 

Praxis

 

Zunächst einmal gilt es den GO-DJ mit Audiofiles (MP3, WAV, AIFF, 8-24 Bit, 8-48 kHz) zu versorgen. Die kann ich wahlweise via USB (worüber auch das Laden erfolgt) in den internen 2-GB-fassenden Speicher übertragen oder eine bis zu 2 TB große (!) SD-Karte im integrierten Cardslot versenken. Die Arbeit am Gerät selber erfolgt gleichermaßen an den Touch-Displays wie auch an den Bedienelementen, die als gerasterte Push-Encoder mit LED-Kränzen ausgelegt sind und sich in Anbetracht der winzigen Größe wirklich gut bedienen lassen. Sämtliche Bedienvorgänge erledigt man in sechs verschiedenen Ansichten. Dies sind der Browser-, Turntable-, Equalizer-, Pad/Sequenzer-, Keyboard/Guitar- und Options-Screen. Ja, ihr habt richtig gelesen: Auch einen kleinen Pad-Drumcomputer samt Pattern-Sequenzer und ein On-Screen-Piano – respektive Gitarren-Player – haben die pfiffigen Koreaner in das Gerät gepackt. Eine dieser typisch asiatischen Verspieltheiten eben, von der man sich nicht weiter gestört fühlen sollte.

Spannender dagegen ist sicher die Deck-Ansicht samt Effekten (Phaser, Flanger, Delay, Filter und Roll) und der 3-Band Equalizer. Dessen Bänder können im EQ-Crossfade-Modus übrigens direkt via Crossfader gesteuert werden. Die beiden Decks (A/B) bieten zwei verschiedene Ansichten: In der Variante Digital-Turntable habe ich Zugriff auf diverse Pitch Parameter (Fader, Sync, Pitchlock) inklusive Pitchbend, direkt auf der virtuellen Platte. Vinyl-Turntable dient vornehmlich dem Scratchen auf dem Touchscreen, was – hier kommt man dann irgendwo auch an physikalische Grenzen – selbst auf einem iPad besser funktioniert. Dennoch: Hat man einige der Shortcuts auswendig gelernt wie beispielsweise, dass das gleichzeitige Drücken und Drehen des Volume-B-Encoders die Kopfhörerlautstärke regelt, kommt an dem kleinen Gerät sehr schnell echtes Auflege-Feeling auf. Erfreulich dabei: die großen Lautstärke-Reserven von Kopfhörer- und Line-Ausgang, die zudem noch knackig und druckvoll klingen. Überhaupt sind alle Funktionen – seien es die Effekte, der EQ, die Aufnahmemöglichkeit, das Setzen von Cue-Punkten und Loops, genauso wie die Datei-Navigation – im Detail ausgesprochen professionell und praxisgerecht umgesetzt. Die herstellerseitig angegebenen 12 Stunden Laufzeit des integrierten Lio-Akkus kann ich mit 11,5 Stunden Dauerbetrieb annähernd bestätigen.

 

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Fazit

 

Ich muss zugeben, dass ich bei der Anfrage des Testmusters, von einer gewissen Spielzeug-Befangenheit ergriffen war – so in dem Sinne: „Naja, am Ende wird das wohl eher ein teures Gimmick mit Autosync und ein paar Effekten für zwischendurch sein“. Der Eindruck ist im Lauf des Tests allerdings weitgehend verschwunden, was ich vornehmlich auf die Bedientiefe der Software, die extrem charmante Hardware und den – in Anbetracht der wenigen Bedienelemente – ziemlich ausgefeilten Workflow zurückführen möchte. Schon nach kurzer Zeit merkt man dem GO-DJ nämlich an, das die Entwickler hier ernsthaft bei der Sache waren – dass sie weniger den Hobbyisten, sondern den professionellen DJ ansprechen wollten und ihnen das in vielen Bereichen tatsächlich gelungen ist. Während des Tests gab es immer wieder Momente wo ich fassungslos auf den kleinen Barren starrte und dachte: „Nee, das gibt’s ja nicht, dass die jetzt auch noch daran gedacht haben“. Darüber verzeiht man dann auch den etwas deplatziert wirkenden Keyboard-Player, die überbordenden Optionen und die nicht immer eindeutige Orientierung innerhalb der Benutzerführung. Was am Ende allerdings kein noch so kluger Shortcut leisten kann ist, dem GO-DJ mehr Bedienfläche auf das Touch-Display zu zaubern – und der ist für nordeuropäische Standard-Finger am Ende doch ein bisschen eng bemessen. Trotzdem überwiegt am Ende das Den-geb-ich-nicht-mehr-her-Gefühl deutlich. Ziehe ich dabei noch in Betracht, dass die nächstgrößere, gleichwertige portable Auflegelösung ein iPad/iPhone mit App, Controller und externer Soundkarte ist, halte ich den Preis für durchaus vertretbar.

UVP: 579 Euro / Straßenpreis: 399 Euro

 


Video: Monster Go-DJBeat Juggling Routine