Aus Joy Adegoke und Wim Janssens wurde Joy Wellboy, nachdem sich die beiden in ihrer Heimatstadt Brüssel kennen und lieben gelernt hatten. Das charmante „Lay Down Your Blade“ machte sie besonders in Frankreich und Belgien bekannt, der Dixon-Remix von „Before The Sunrise“ in der Clubszene. Mit dem LP-Format kamen die beiden aber noch nicht zurecht. Dort lief Adegokes nicht unsympathischer, aber doch zielloser Gesang unbestimmt neben Janssens driftenden elektronischen Sounds her. Auf ihrem zweiten Album Wedding nehmen sie die notwendige Selbstdefinition in Bezug auf Stil und Tonalität vor. Jetzt stehen die ruhigen, persönlichen clubfernen Songs im Zentrum. Das Duo orientiert sich am frankophonen Pop der Sechziger und Siebziger, in dem Liebe und Beziehungen mit einer im angloamerikanischen Raum unbekannten Doppelbödigkeit und Ironie verhandelt werden. Mal ist Adegokes Stimme gegen einen Männerchor geschnitten, mal performt sie französischen Power-Pop, den man heute höchstens noch von Soundtracks kennt. Das ist brisanter und unterhaltsamer als es auf den ersten Blick scheint. Die beiden treiben dem aktuellen elektronischen Pop das Pathos und den extremen Ernst aus, der seit James Blake dominiert. Joy Wellboys Musik ist keine nach innen gerichtete Beichte, es geht darum Kontakt aufzunehmen. Kein Wunder, dass gerade ihre Duette sehr stark sind. Die erinnern weniger an die von Missy Elliott oder Beyoncé, sondern an Roberta Flack & Donny Hathaway oder Jane Birkin & Serge Gainsbourg.

 


Video: Joy WellboyI’m Waiting For You