Ratchett Traxxx hat mit seinen Rants gegen L.I.E.S. und White Material auf diversen Social Media-Kanälen wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit bekommen als mit seinen Maxi-Singles. White Material etwa wirft er vor, als Kids aus wohlhabenden Verhältnissen zu glauben, das Rad (der elektronischen Tanzmusik) neu zu erfinden und dabei nicht mal Robert Hood oder Jeff Mills zu kennen. Keine dieser drei Zuschreibungen ist zutreffend, und unabhängig davon wirken Ratchetts Aussagen allein intolerant. Sein Oldschool-Fundamentalismus war vielleicht eine haltbare Position, um 2004 gegen schwarz gekleidete Minus-Clones zu wettern. Doch 2014 wirkt der Mann schlichtweg aus der Welt gefallen. Aber gilt das auch für die Musik? Die Tracktitel seines Debütalbums vermischen Topoi der Social Media mit Gangsta Rap-Rethorik, heißen mal „No Subtweets“ oder „Snapchat Blaccmail“. Diese Tracks setzen eher bei Achtziger- als bei Neunziger-Jahre-Chicago-House an und ihr größtes Defizit ist die unzeitgemäße, bassarme Produktion. Alles unter dem Bauchnabel scheint abgeschnitten. Während besonders seine ersten beiden Maxis durch einen überraschend rabiaten Umgang mit Booty- und Ghetto-House beeindruckten, bedient er jetzt eher Standards: Neunziger-Techno („Hashtag Warefare“), Acid-Geschraube („Data Breach“), Dubtechno („DSL Shots“) oder Detroit House („Pussy Bandwith“). Ein paar Tracks fallen aber heraus, etwa „Ddos atacc“: eine Electro-Nummer mit einem stotternden, immer wieder neu ansetzenden Groove und den dramatischen Fanfaren von Felix da Housecat.